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Buchgewinn/-verlust

Am Ende einer Depotübersicht stehen (zumindest bei onvista-bank) immer ein paar zusammenfassende Zahlen: wieviel hat man netto (also ohne Transaktionskosten usw.) investiert? Wieviel sind diese Papiere aktuell wert? Wie ist die Bilanz: in Euro, in Prozent?

Ich schaue mir diese Zahlen auch immer als erste an. Sie bemessen irgendwie den Wert des Depots, quasi als "Haltungsnote", die damit die Leistung des Investors benotet (relativ zu den beliebig volatilen Märkten). Um mich emotional davon aber etwas zu entkoppeln, definiere ich mein Depot als "Sondervermögen", das mir eigentlich nicht gehört.

Wenn der Buchgewinn steigt, freue ich mich wie Bolle, weil ich es wohl richtig gemacht habe... wenn er sinkt oder gar negativ wird, nehme ich das gelassen zur Kenntnis, weil die "Märkte" halt so sind, und ich als Vermögensverwalter eben mein Möglichstes getan habe (professionelle Arbeitseinstellung).

Klingt wie Selbstbetrug, hart gesagt. Ist es wohl auch. Aber der Buchgewinn ist auch nicht ganz echt: realisieren kann ich den nie und nimmer. Das fängt an bei den Kursen: es gibt nicht nur den einen, der angezeigt wird, sondern an jeder einzelnen Börse einen Geld- und einen Briefkurs, und den Spread dazwischen. Hinzu kommt Liquidität: wenn an Börse X zuwenig Nachfrage für Papier Y besteht (ich habe etliche Exoten), kann ich da selbst zum Geldkurs nicht verkaufen. Und Sekunden später kann das schon wieder anders (besser oder schlechter) aussehen. Und beim Verkauf fallen auch wieder Transaktionskosten an...

Also schaue ich den Buchgewinn/-verlust mit Interesse an, aber eben nur als abstrakte Kennziffer. "Nur Bares ist Wahres": wenn ich auf eine Investition von 1000€ eine Nettodividende von 40€ ausgezahlt bekomme, dann war das wirklich 4% Rendite. 🙂