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Bitte prüft meinen Plan für Januar 2020

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Hallo Frugalisten,

ich bin 49 Jahre alt, Single und plane ab Januar 2020 meine Arbeit im Angestelltenverhältnis zu kündigen und von folgendem zu leben:

Kaltmieten 955, Photovoltaikanlage 225, Kapitalerträge 70 = mtl. 1250.  Ausgaben 1230. Mietfreies wohnen im Eigentum. Keine Verbindlichkeiten.

Kapital 150000. Für Immobilienerhalt, Autokauf, usw. Keine regelmäßige Entnahme.

Bitte um eine Prüfung aus Eurer Sicht. Wo hakt es oder wo seht Ihr Handlungsbedarf ?

Vielen Dank für Eure Zeit. Gruß 49er

 

 

"Weniger ist mehr."

Wäre mir persönlich zu sehr auf Kante genäht. Könnte aber dennoch funktionieren. Wie sieht es mit der Krankenversicherung aus? Ist die in Deinen Ausgaben schon enthalten? Sind die Einnahmen bereits versteuert?

 

Wie wäre es mit 50%-Teilzeit?

 

Gruß, Tino

 

Hallo 49er,

 

prinzipiell sehe ich da keine Probleme.

 

Natürlich steht und fällt alles mit deinen Erträgen aus den Immobilien.

 

Ich gehe davon aus, dass es sich im Idealfall um 3..4 Wohnungen innerhalb größerer Wohnanlagen in einer westdeutschen Großstadt handelt. Dann hast du auch noch einen positiven Geldfluss wenn die Mieteinnahmen einer Wohnung ausfallen sollten(Problemmieter) und bist auch für die Zukunft gut aufgestellt, kannst du doch mit steigenden Mieten rechnen, was die Inflation für die Zukunft ausgleicht. Außerdem kümmert sich die Wohnungseigentümergemeinschaft via Verwalter um alles substanzliche am Wohnobjekt.

 

Solltest du nur eine Wohnung zur Vermietung haben sehe ich ein großes Risiko wenn du dir einen Problemmieter einhandelst.

 

Zu den Einnahmen aus der Photovoltaikanlage kann ich nichts sagen; kenne mich damit nicht aus, kann mir aber denken, dass das irgendwann ausläuft und die Anlage bzw. die Investition in derselbigen dann auch aufgrund des Alters nicht mehr viel wert ist.

 

Noch sicherer gehst du, wenn du dein Auto aufgibst. Ein Auto ist eine einzige Geldvernichtungsmaschine und sofern du in einer Großstadt, auch noch als Single, lebst, in meinen Augen völlig verzichtbar bzw. notfalls auch durch Alternativen (Carsjaring, Mietwagen) kompensierbar. Aber ich weiß auch: eingefleischte Autofahrer sind resistent gegen jegliche logischen Argumente contra PKW.

 

Bei der Krankenversicherung gehe ich davon aus, dass du weiter freiwillig versichert in einer gesetzlichen bleibst. Dann bleiben die Beiträge überschaubar.

 

Außerdem bekommst du bei deinem Ausscheiden noch 15 Monate Arbeitslosengeld (ggf. abzüglich ca. drei Monate Sperrfrist, wobei du während der Sperrfrist auch weiterhin krankenversichert bist). Das beste: Die Arbeitsagentur zahlt auch weiterhin für dich Renten- und Krankenkassenbeiträge (Rente aber nicht während der Sperrfrist).

 

Ich würde danach noch freiwillig in die Rentenkasse einzahlen um 35 Beitragsjahre voll zu bekommen. Dann kannst du bereits mit 63 in Rente gehen. Wer weiß wie du dann gesundheitlich drauf bist (hoffe natürlich für dich, dass du weiterhin fit bleibst). Von daher würde ich die gesetzliche Rente mitnehmen, so früh es geht.

 

Außerdem halte ich die Vorstellung, dass du nach deiner Kündigung nie wieder Geld verdienen wirst für unrealistisch. Mit der neu gewonnen Freiheit wirst du sicher sinnvoll umgehen und dabei ergibt sich oft die Gelegenheit seine Projekte und Tätigkeiten zu monetarisieren (Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtler, 450-€-Job, Honorare für Beratungen/Gefälligkeiten usw.).

 

Ich betrachte so etwas auch als eine Wette auf das eigene, möglichst lange Leben.

 

Was hast du davon, wenn du weiter bis 63..65..67 arbeitest und dann vielleicht nur 70 wirst. Dann trittst du viel zu früh mit viel zuviel Erspartem ab.

 

Dann lieber jetzt aufhören und selbst wenn dein Erspartes vor deinem Lebensende (möge es in ferner Zukunft liegen) aufgebraucht ist, so hast du doch viel mehr von deinem Leben gehabt, weil nicht bis 67 durch Erwerbstätigkeit fremdbestimmt.

 

Die größten Kostenfaktoren wie unterhaltsberechtigte Ex-Frauen und Kinder, Nikotin und Alkohol, sowie Wohnraummiete hast du nicht. Schaffe das Auto noch ab, und dein Ticket für die finanzielle Unabhängigkeit ist gesichert.

 

Aber das hast du dir sicher auch bereits alles so überlegt. Nundenn, dann bekommst du es von mir noch einmal positiv bestätigt.

 

 

Einen schönen Sonntag noch...

 

Hallo Tino,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort. 50 % Teilzeit ist in meinem Job möglich (1250). Entscheidung steht spätestens Juni 2019 an.

Bis dahin mache ich einen Test indem ich meinen aktuellen Nettolohn komplett in die Rücklage verschiebe.

Die Krankenversicherung und Pflegeversicherung (186) ist in den Ausgaben enthalten. Steuern (10) ebenso.

Ab dem 67. besteht ein Brutto-Rentenanspruch von 1150.

Die Ausgaben beinhalten mtl. 100 für Party. Verzicht möglich.

Die Kapitalerträge sind sehr gering angesetzt (70). Mit vorsichtigen 2,50 % = 300. Sozusagen Inflationsausgleich berücksichtigt.

Optional: Wenn ich z.B. 70000 mit mtl. 300 Entnahme bei 2,50 % Rendite zusätzlich regelmäßig aufzehren müsste, hält das 26 Jahre. 1250+300=1550 Einkommen mtl.

https://www.zinsen-berechnen.de/entnahmeplan.php

Das sind Möglichkeiten, die für mehr Entspannung sorgen. Das Grundkonzept ist in der Tat auf Kante.

@all: Würdet Ihr das mit diesen Werten machen ?

 

 

 

"Weniger ist mehr."

Hallo Chris,

ich wünsche Dir auch einen schönen Sonntag und vielen Dank für Deine Antwort.

Mein Auto ist 22 Jahre alt und läuft und läuft (Kauf 2001 für 6600). Haftpflicht, Rechtsschutz, Benzin und Steuern sind einkalkuliert und minimal. Hierfür habe ich 8000 auf der Seite. Ich brauche es, da ich auf dem Land lebe.

Die Photovoltaik Förderung läuft noch 13 Jahre. Kapitalverzehr gleicht die Lücke bis zum Rentenbeginn von 63 bis 67 aus.

Die Mieteinnahmen erziele ich durch 2 langfristig vermietete Wohnungen in Baden Württemberg mit sehr guter Zukunft, incl. Inflationsausgleich.

Arbeitslosengeld werde ich nicht beantragen.

Viel freie Zeit für Ehrenamt im Verein, Fitness, selbst frisch kochen, wandern, lernen, Hobbies, neue Ideen und arbeiten wann und wie lange ich will (mit/ohne Einkommen).

Deine Antwort werte ich positiv für Januar 2020 und nochmals vielen Dank.

Gruß 49er

 

 

 

 

 

"Weniger ist mehr."

Ich weiß nicht genau, was in den Ausgaben inkludiert ist. Häufig neigt man dazu, Ausgaben die zunächst gar nicht kommen, nicht zu berücksichtigen. Hiermit meine ich zum Beispiel die persönliche Infrastruktur - also Kleidung, Schuhe, Handtücher, Bettwäsche, Möbel, persönlich wichtige Elektrogeräte,... Alles Dinge, die gefühlt "ewig" halten, aber doch irgendwann kaputt gehen. Und wenn man lange Zeit frugal lebt, hat man keinen großen Vorrat, auf den man zurück greifen kann. Und es ist nicht schön, im Winter nicht spazieren gehen zu können, weil man gerade keine passenden, wasserdichte Winterschuhe besitzt.
Ich weiß noch nicht, wie viel Geld man monatlich für solche "Infrastrukturinvestitionen" einplanen muss, wäre aber für Tipps dazu dankbar.

Sehe ich das richtig? Sie habe 1230 EUR Ausgaben und 1250 EUR Einnahmen. Ihr Puffer beträgt also exakt 20 EUR monatlich? Das würde ich als finanziellen Selbstmord bezeichnen. Sie haben keine sicheren Einnahmen aber dafür sichere Ausgaben, wie Lebenshaltungskosten. Ein Mieter kann auch schnell mal ausziehen, bis ein neuer gefunden ist können ein paar Wochen oder Monate ins Land gehen. Oder Sie mache Bekanntschaft mit Mietnomaden... viel Spaß. Auch Kapitaleinnahmen in jeglicher Form sind immer unsicher und können steigen, fallen oder eine Zeit ganz ausbleiben. Können Sie plötzlich ungeplante Ausgaben nicht refinanzieren droht die Pleite. Wenn Sie beispielsweise eine neue Waschmaschine brauchen oder das Auto kaputt geht, sind schnell mal einige hundert Euro fällig. Dann müssen Sie von Ihrer Sustanz zehren, da das ja durch Ihre Einnahmen nicht mehr abgedeckt ist

@frau-kelu für die "Infrastrukturinvestitionen" hilft am besten mal eine Bestandsaufnahme. Was kann denn in Ihrem Haushalt alles so kaputt gehen und was würde das kosten? Oliver hat dazu schonmal einen Artikel geschrieben:

https://frugalisten.de/waschmaschine-autowerkstatt-stromnachzahlung-unvorhergesehene-kosten-und-wie-du-sie-vermeidest/

Ich persönlich orientiere mich an den vergangenen Jahren, was ich da so ausgegeben habe (oder musste) und kalkuliere mir dann Jahresbudgets. Z.B. 400 EUR für Elektrogeräte und ähliche Anschaffungen. Wenn ich Sie dann am Ende nicht brauche ist alles gut, aber da sie eingeplant sind, haut es mich auch nicht vom Hocker, wenn der Fernseher oder die Waschmaschine kaputt gehen sollte.

Hallo,

also ich halte das Vorgehen von 49er durchaus für möglich. Schließlich sind 150.000 EUR Reserve vorhanden die ja sicher nicht zinslos unter dem Kopfkissen liegen.

Die vermieteten Wohnungen selber haben ebenfalls ihren Wert. Sollte es beispielsweise in 20 Jahren finanziell knapp werden, kann eine der Wohnungen versilbert werden. Klar, dann fallen die Mieteinnahmen weg aber dafür ist ein hoher Batzen frisches Kapital verfügbar, was wieder einige Jahre reicht.

Wer spricht denn auch davon, dass bis zum Sankt Nimmerleinstag das Substanz-Vermögen zu 100% erhalten bleiben muss?

Mit Sandalen durch tiefen Schnee stapfen weil das Geld nicht für Stiefel reicht? Wenn ich nur solche Sorgen hätte... Nächste Woche gibt es bei Aldi-Nord wasserdichte Winterstiefel für 15,99 EUR! Kleidung, Möbel etc.? So etwas kostet heute doch nichts mehr. Gibt es vielfach geschenkt, als Spende, vom Sperrmüll (da habe ich schon das eine oder andere gute Möbelstück gesehen; nur dumm, wenn es zuvor geregnet hat.).

Ich frage mich, warum 49er auf das Arbeitslosengeld verzichten will. Das sind immerhin (ab 50 Jahre) 15 Monate wo Rente, Krankenversicherung und ein "Gehalt" gezahlt werden. Dafür hast du zuvor Jahre gearbeitet und eingezahlt.

Angst, plötzlich vom Arbeitsamt eine Stelle vermittelt zu bekommen, wo man doch gar nicht mehr arbeiten will?

Ab 50 bekommt keiner mehr einen Arbeitsplatz (also einen richtigen, nicht irgendein Zeitarbeitsjob oder Ich-AG etc.). Für den Arbeitgeber ein viel zu hohes Risiko, da etwa 20% der über 50-jährigen krankheitsbedingt dauerhaft ausfallen werden.

Eine Umschulung vom Arbeitsamt aufgedrückt zu bekommen ist bei dem Alter auch ausgeschlossen. Die Kosten-Nutzen-Bilanz ist dabei negativ. Also die Umschulung ist teurer als die Steuern und Sozialabgaben die der Umschüler (sofern er durch die Umschulung einen neuen Job bekommt) noch bis zur Rente einzahlen wird.

Also warum auf das Arbeitslosengeld verzichten?

Ich möchte in diesem Zusammenhang nocheinmal an die 4%-Regel erinnern, die hier auf der Webseite sehr ausführlich behandelt wurde. Und außerdem an die Tatsache, dass du etwa da 25 fache deiner jährlichen Ausgaben an Kapital brauchst. Auch dazu gibt es hier einen Artikel. Aber vorsicht! diese beiden Vorgaben beruhen auf der Annahme, dass du etwa 7% Rendite mit Aktien pro Jahr erwirtschaftest. Wenn du Wohnungen vermietest und Geld mit eine Solaranlage verdienst, ist diese Rendite weitaus niedriger. Vermutlich wird sie dann nur bei 4 bis 5% p.a. liegen. Das heißt du brauchst weitaus mehr Kapital als das 25 fache. Den Kapitalstock aufzubrauch halte ich für schlicht und einfach fahrlässig. Du weißt nicht was die Zukunft bringt oder wie lange du noch lebst. Vielleicht brauchst du irgendwann mal plötzlich viel Geld aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls. Dann ist von jetzt auf gleich die Kalkulation dahin und du stehst am Ende vor der Pleite.

https://frugalisten.de/tag/4-regel/
https://frugalisten.de/die-4-prozent-regel-wie-viel-geld-brauchst-du-um-nicht-mehr-arbeiten-gehen-zu-muessen/

Hallo Fritz,

vielen Dank für Deine Prüfung und Deine aufgeführten kritischen Punkte zu meinem Finanzplan ab Januar 2020.

Ich werde in den nächsten Tagen konkret darauf eingehen.

Aktuell bin ich etwas verunsichert und werde mich in die genannten Themen intensiv einarbeiten.

Ebenso werde ich meine Ausgaben neu überdenken und frugalistische Ideen prüfen, damit ich noch weniger Ausgaben habe.

Frage: Die 4 % Regel bezieht sich auch auf Immobilienbesitz, den ich nicht veräußern will ?

Zur Ergänzung Immobilienbesitz aktuell : 1 Eigentumswohnung dauerhaft vermietet Wert ca. 110 TEUR und ein Haus mit 3 Wohnungen Wert ca. 280 TEUR (1 vermietet, 1 selbst, und 1 Wohnrecht). Diese Immobilien sind die Basis für meine mtl. Einnahmen plus Photovoltaikanlage. Ich kann die Eigentumswohnung jederzeit marktgerecht verkaufen. In meinem Plan ist kein Verkauf vorgesehen. Das Wohnrecht im Haus bietet zukünftig neue Mieteinnahme Möglichkeiten mtl. 550.

Ich versuche in den nächsten Wochen alle Bedenken auszuräumen  und bin sehr dankbar für Deine konstruktive Kritik an meinem bisherigen Plan.

Bitte um Erklärung wie die 4 % Regel der ETF Kapital-Aufzehrung auf Immobilienvermögen und deren Mieteinkünfte passt ?

Danke und gerne weitere Antworten von allen hier erwünscht. Schönes Wochenende und allen viel Erfolg bei Ihren eigenen Plänen.

 

Zum Thema Arbeitslosengeld: Auf dem Land, wo jeder jeden kennt, ist mein Vorhaben schon sehr spuki. Da möchte ich klare Ansage machen, dass ich frei und ohne Staatshilfe lebe. Von Anfang an. "Sonst gelte ich hier schnell als faul und einer der dem Steuerzahler auf der Tasche liegt." Die platzen sowieso dann schon alle vor Neid !

 

"Weniger ist mehr."

@49er

Die 4% Regel bezieht sich erst einmal auf ein Wertpapier-Portfolio, das mit durchschnittlich 7% Rendite p.a. wächst und keine regelmäßigen Einkünfte generiert (wie Mieteinnahmen). Das heißt, hier wird der Kursgewinn mit der Entnahme gegengerechnet. Das Prinzip ist aber auf jeden Kapitalstock übertragbar. Bei Immobilien hast du einfach andere Risiken als bei Aktien, aber für die musst du ebenso Rücklagen bilden. Wenn du also dein Geld durch Mieteinnahmen und einer Solaranlage erwirtschaften willst, gilt dies Regel nicht mehr so ganz, da du kaum 7% p.a. Rendite schaffen wirst. Es wird also vermutlich etwas weniger sein. Als Faustregel kann man davon ausgehen, dass man von der jährlichen Durchschnittsrendite etwa 2/3 für den Eigenbedarf (Lebenshaltungskosten etc.) verwenden kann. Der Rest muss als Reserve bzw. Rücklage aufgebaut werden.

Da du aber, wie schon richtig erkannt, von deinen Immobilien keine Teilstücke verkaufen kannst und Wertsteigerungen bei Immobilien schwer kalkulierbar sind, müssen deine Jahreseinnahmen entsprechend hoch sein um den Gesamtmittelzufluss zu gewährleisten. Also nehmen wir z.B. an du hast pro Jahr Ausgaben in Höhe von 20.000 EUR, dann sollten deine Einkünfte etwa 30.000 EUR betragen (30T * 2/3). Wenn du z.B. eine Rendite von 4,5% p.a. hättest, dann würde das bedeuten der Buchwert deiner Geldanlage (Immobilien, Solaranlage, ETF etc.) müsste etwa 667.000 EUR betragen.

Die Rückstellungen wirst du einfach brauchen um unvorhergesehene Ausgaben oder das Ausbleiben von Mittelzuflüssen, sowie die Inflation finanzieren zu können. Insbesondere Immobilien können mitunter plötzlich sehr hohe Kosten verursachen, die man nicht unbedingt einkalkulieren kann und die auch nicht immer auf die Mieter umlegbar sind. Z.B. ein Schaden, den die Versicherung nicht übernimmt, oder du musst dich mit einem Vermieter vor Gericht streiten, oder die Gemeinde kommt plötzlich mit Straßenausbaubeiträgen um die Ecke oder vielleicht kann eine Wohnung über längere Zeit nicht vermietet werden oder sonstige Mietausfälle etc.. Die Liste ließe sich noch endlos fortsetzten. Auch wenn die letzten Jahre alles super gelaufen ist, kann ein solcher Punkt schnell mal einen 5 stelligen Betrag auffressen, wenn du dann keine ausreichenden Reserven hast, heißt das, du musst vermutlich verkaufen, denn deine Fixkosten müssen ja auch bezahlt werden. Das wiederum führt zu deutlichen Minderungen deiner Einkünfte und kann dich u.U. an den Rand der Pleite führen. Geht leider schneller als mann denkt... 😉 Als Unternehmer muss man da einfach anders denken.

Ich gebe keinerlei Garantie für Richtigkeit, aber gemäß deiner Angaben müsste dass dann überschlagsmäßig bei dir wie folgt aussehen:

Wohnung:  110 T€
Haus:         280 T€
ETF/bar:    150 T€
Solar:          54 T€          (da du keine Angaben gemacht hast, was die Solaranlage gekostet hat, habe ich hier einfach mal
___________________ mit 5% p.a. Rendite gerechnet. Das ergibt bei 225*12=2700 EUR etwa diesen Wert.)
Gesamt:        594 T€   (Buchwert)

Monatliche Einkünfte: 1250 EUR * 12 = 15.000 EUR. Das würde bei dir einer Rendite von 2,5% p.a. entsprechen. Bei Ausgaben von 1230 * 12 = 14.760 p.a. Gemäß obiger Faustregel (2/3) solltest du etwa 22.128 EUR p.a. erwirtschaften. Bei deiner Durchschnittsrendite würde das bedeuten du brauchst insgesamt ein Anlagevermögen von 885.157 EUR (22.128 / 0,025)! (Wäre bei dir jetzt eine 1,7% Regel).
Da du bereits Rücklagen hast, die ja in deinen Barmitteln/ETF enthalten sind, könnte man da vielleicht noch etwas runter gehen. Es ist, wie gesagt, nur eine Faustregel. Allerdings würde ich bei aktueller Konstellation nicht mit diesem Buchwert und der Rendite den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Entweder Rendite aufbohren (z.B. durch Aktien) oder Kapital erhöhen oder eine Kombination aus beidem.

Ich weiße an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass dieser Text lediglich meine persönliche Meinung darstellt und keinesfalls als Anlagempfehlung oder Beratung zu verstehen ist! Keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit!

@49er

Auch nur meine persönliche Meinung:

Mir wäre das auf Basis der dargestellten Zahlen ebenfalls zu dünn mit den Reserven, trotz die laufenden Kosten zunächst gedeckt sind.

So wie Sie schreiben ist alles genau austariert, aber nur im Jetzt.

Unwägbarkeiten wir Mieterqualität, Reparaturen oder Erneuerungen (Dach, Heizung...) an der Immobilie sind nicht unter Kontrolle. Cash Reserven auch durchaus kurzfristig zu mobilisieren scheint ohne Substanzverlust nicht möglich. Auf dem Immobilienmarkt zukünftige Wertzuwächse als Reserve zu betrachten halte ich für gewagt. Um derlei Unwägbarkeiten abzufedern bin ich der Meinung immer 1-2 persönliche Jahres-Kosten als Reserve zu haben. Das scheint bei Ihnen derzeit nicht möglich.

Auch würde ich auf der ganz persönlichen Ebene von ggf. geänderter individueller Meinung ausgehen. Sind Sie sich sicher, dass ab heute ihr Leben in statischen Bahnen , absolut planbar verläuft? Sie werden niemals ihre Meinung ändern, Ihren Lebenstil, ihr Lebensumfeld in Frage stellen oder mal ein anderes Konsumverhalten (welche Gründe oder ggf. Zwänge, z.B. Krakheit...auch immer?) haben? Und das ggf. in einer Zeit in der Sie nix mehr anpassen können, da ggf. zu alt? Das was heute logisch und richtig ist könnte morgen anders wahrgenommmen werden.

Grüße und mögen Sie Ihre richtigen Weg finden!

Zitat von CHRIS-HL am 8. November 2018, 20:01 Uhr

Ab 50 bekommt keiner mehr einen Arbeitsplatz (also einen richtigen, nicht irgendein Zeitarbeitsjob oder Ich-AG etc.). Für den Arbeitgeber ein viel zu hohes Risiko, da etwa 20% der über 50-jährigen krankheitsbedingt dauerhaft ausfallen werden.

 

Das glaube ich persönlich nicht. Stichwort Fachkräftemangel. In meiner Branche wird wie verrückt gesucht. Man hat mir schon diverse Angebote der Übernahme in ein Angestelltenverhältnis gemacht. Vielen Betrieben gehen die qualifizierten Arbeitskräfte wegen Rente verloren. Ein Mitbewerber verliert in den nächsten Jahren ca ein Viertel seiner Belegschaft durch Rente. In diesen Arbeitskräften steckt viel Firmenknowhow was verloren geht. Darum wird auch versucht Mitarbeiter länger im Betrieb zu binden. Auch durch ein wenig Verbesserung von staatlicher Seite wird das Längerarbeiten gefördert. Qualifizierte Mitarbeiter ab 50 / 60 werden gesucht !!

Ich gebe dir aber Recht wenn es um unqualifizierte Arbeitskräfte und Arbeitsstellen geht. Die sind schnell austauschbar. Da wird's schwer.  Was aber eigentlich immer geht ist der Weg in die Selbstständigkeit .z.b. als Gartenservice, Hausmeisterdienste, Dienste für alte Menschen. Wer sich kümmert bekommt auch einen Job !!

Vielen Dank an alle die das Forum aktiv nutzen und auf meine Anfrage geantwortet haben.

Aktuell habe ich meinen Plan etwas geändert/angepasst:

Ich werde ab Januar 2020 Teilzeit 50%, 60 % oder 70 % arbeiten.Das bedeutet 2 Werktage pro Woche mehr Freizeit.

Dadurch habe ich ein ausreichendes Einkommen und kann weiterhin meine Rücklagen ausbauen. Ebenso bin ich krankenversichert und habe eine berufliche Aufgabe in Teilzeit.

Diese Teilzeitarbeit werde ich 1-13 Jahre machen und jährlich neu entscheiden.

Das Risiko komplett aufzuhören ist bei meinen Werten tatsächlich zu groß. Ebenso ist das Nichtstun offensichtlich nicht lange erfüllend.

Danke dass ihr mir die Augen geöffnet habt und konstruktiv die Schwachstellen aufgedeckt habt. Super !

Ich werde hier gerne den weiteren Verlauf teilen.

"Weniger ist mehr."

Update: Ab 01.01.2020 werde ich 60 % Teilzeit statt 100 % Vollzeit arbeiten. Mein Arbeitgeber hat die Zusage gegeben.

Bei Steuerklasse 1 gibt es sehr positive Zusatzeffekte: 60% Arbeitszeit ungleich 60% Nettolohn. 60% Arbeitszeit gleich 70 % Nettolohn !

100% = 2500 Nettolohn. 60% = 1500 + ca. 250 (Geringere Steuer usw.) = 1750 Nettolohn ab 01.01.2020.

2 Tage mehr pro Woche meiner Lebenszeit zur freien Verfügung. Ich freue mich darauf.

"Weniger ist mehr."

Vllt noch interessant:

Du sagst "60% Teilzeit = 2 Tage pro Woche mehr Lebenszeit zur freien Verfügung". Bedeutet deine 60% Teilzeit, dass du zwei Tage in der Woche nicht zur Arbeit kommen musst, oder musst du weiterhin 5 Tage in der Woche zur Arbeit kommen und dafür nur ~5h pro Tag arbeiten?

Bei ersterem würde ich direkt zustimmen, dass sind 2 Tage mehr zur freien Verfügung. Wenn sich laut Arbeitsvertrag die Arbeitszeit aber weiterhin auf 5 Tage in der Woche verteilt, würde ich persönlich das ganze mit gemischten Gefühlen sehen.

Liebe Grüße

Der Plan ist toll , genau so ist mein Vorhaben. Mit 55 ist der Immo abbezahlt. Da gehe ich auf 60 oder sogar 40% und Rest der Zeit hab ich für mich.

So viel braucht man auch nicht bis 67. Da nachher auch Rente dazu kommt, kann sogar die Angesparte direkt eingesetzt werden.

Die Einnahmen aus der Wohnung finde ich persönlich nicht riskant. Ich vermiete auch in BW eine Wohnung und hatte bei der Ausschreibung 130 Bewerbungen binnen zwei Wochen. Was ist dran Risiko, wenn ich meine Immobilie kenne und der Mieter zahlt?

Es sind 3 volle Arbeitstage pro Woche. 2 freie Tage plus Wochenende. Komplett freie Tage sind ein ganz wichtiger Aspekt für mich.

Weitere freiwillige Optionen bietet die bestehende Gleitzeit-Vereinbarung.

"Weniger ist mehr."

"Es sind 3 volle Arbeitstage pro Woche."

Schickes Arbeitszeitmodell. Montag - Mittwoch - Freitag? Dann ist die Erreichbarkeit kaum eingeschränkt (max. 1 Tag Verzögerung). Mein Lieblingsmodell war die 4-Tage-Woche: mittwochs frei, aus Resturlaub abgerechnet.

Gleitzeit konnte ich mit IG Metall-Tarifvertrag aber nicht in Urlaubstage umsetzen, sondern nur entsprechend kürzer arbeiten. Ging auch.

Vorbereitung frugal zur aktiven 40% Teilfreizeit ab 01.01.2020:

  • Essensplan erstellen.
  • Sportplan erstellen.
  • Liste unerledigter Dinge.
  • Laufen statt Auto fahren.
  • Ausgaben weiter senken.
  • Investitionen optimieren.
  • Haus und Keller ausmisten/versilbern.
  • Nähere Umgebung erkunden. Hotspots finden.
  • Zu kurz gekommene Hobbys reaktivieren.
  • Den freien Tagen Struktur geben.
"Weniger ist mehr."
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