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Bin schon unabhängig

Hallo zusammen,

ich bin 51 Jahre alt und schon seit ein paar Jahren finanziell  unabhängig. Ich habe früh schon zu Studienzeiten mein erstes Unternehmen mit zwei Freunden gegründet und 1999 verkauft.

Seit ein paar Jahren wohne ich in der Schweiz und helfe Unternehmern und deren Familienmitgliedern, Ihr privates Vermögen und ihre private Vorsorge insbesondere mit Familienstiftungen zu organisieren.

Ich nutze seit Jahren ausschliesslich das Weltportfolio Konzept von Gerd Kommer, habe aber durch fondgebundene Rentenversicherungverträge sichergestellt, dass mir der Fiskus nicht jedes Jahr mehr als ein Viertel der Rendite wegfrisst. Immobilien waren und sind mir zu aufwändig, ich habe keine Lust, mich um Mieter und Reparaturen zu kümmern.

Eigentlich könnte ich aus dem Vermögen nach der 4% Regel locker leben, aber mir macht arbeiten eben Spass. Für die Familie ist auch gesorgt.

Ich bin umgekehrt eher an einem Punkt, wo ich mich (wie viele andere) frage, was ich sinnvollerweise mit meinem „Restleben“ anfangen soll. http://www.wie-alt-werde-ich.de sagt, ich würde noch 38,6 Jahre leben. Ich hab neben dem üblichen (ein wenig weiterbeiten, reisen) die Idee, mich für die Stiftung für effektiven Altruismus zu engagieren.

Was meint Ihr?

Olaf

Hallo Olaf,

Gratulation dazu, es geschafft zu haben! Leider habe ich keine gute Antwort darauf, wie man das Restleben sinnvoll verbringen soll - auf jeden Fall würde ich mich daran freuen, mir diese Frage überhaupt stellen zu können - die Standardantwort wäre in Deinem Alter ja: Noch 16 Jahre voll arbeiten. Klavierspielen?

Was die Immobilien angeht, muss ich schon auch zustimmen - das kostet mitunter schon Nerven, schon das kaufen, verkaufen wäre ähnlich wir haben aktuell einen Wasserschaden in den vermieteten Wohnungen - was das Zeit und Nerven gekostet hat (Mit Versicherungen, Mieter, Handwerker, Mieter... und Mietern reden...) wenn man in der Zeit irgendeinen auch schlecht bezahlten Job machen würde, wäre das angenehmer (habe schon einige dieser Jobs gemacht) und es käme mehr dabei raus. Aber es kann natürlich auch mal ein paar Jahre reibungslos laufen. Man muss vor allem zusehen, nicht zu der wohl nicht ganz kleinen Gruppe privater Vermieter zu gehören, die an der Vermietung eigentlich kaum was verdienen.

Vom effektiven Altruismus höre ich zum ersten Mal - schnell recherchiert, zu schnell, um da große Aussagen treffen zu wollen. So ganz grundsätzlich stört mich die Ineffizienz bei gewissen Maßnahmen auch etwas, aber effizient ist ja z.B. auch, das Eintreiben von  Spenden auszulagern, also von Leuten machen zu lassen, die das auch nur machen, um Geld zu verdienen, und eine Provision bekommen, was mir persönlich - ich weiß gar nicht warum - nicht so gefällt.

Aber warum nicht?

Hallo Namir,

danke für Dein Feedback. Ja, von der Fremdvermietung von Immobilien durch Privatanleger halte ich nichts, aus mehreren Gründen:

Immobilien haben nur deswegen eine Substanzanmutung, weil man ihre schwankenden Preise nicht, wie bei Aktien, im Internet nachsehen kann. Die kolportierten Renditen von zB. 7 oder 8% bekommt man bestenfalls, wenn man die Mieteinnahmen auf die vor Jahren bezahlten historischen Anschaffungskosten bezieht. Bei heutigen Marktpreisen reden wir eher über 2%-3%; für mich ein eher schlechtes Risiko/Renditeverhältnis angesichts der Tatsache, dass mir bei einem späteren Verkauf niemand garantiert, dass ich nach Grunderwerbsteuer, Notarkosten, ggf Einkommensteuer den inflationsbereinigten Einstandspreis wieder hereinbekomme. Der eigene Arbeitsaufwand ist hier noch nicht mal berücksichtigt.

Das für mich stärkste Argument gegen Immobilien liegt schon im Wort. Immobilien sind immobil und machen immobil. Grundstücke können nicht bewegt werden, dh der Staat kann willkürlich die Steuerbelastung erhöhen, ohne das man sich dagegen wehren kann. Immobilien machen auch immobil, denn nach einem Umzug kann man sich faktisch nicht mehr umdie Immobilien kümmern sondern muss hierzu teure Dienstleistungen einkaufen und deren Ausführung kontrollieren.

Wenn schon Immobilienanlagen, dann mit REITs. Die kann ich ins Depot legen und zahlen meist im Belegenheitsland der Immobilien keine Steuern. Risikostreuung ist auch mit kleineren Anlagen einfach möglich und für eine faire Bewertung sorgt der Markt.

Zum effektiven Altruismus: Du sprichst mehrere Aspekte an. Aus irgendwelchen Gründen entziehen sich gemeinnützige Aktivitäten systematisch einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. So auch die Abneigung gegen Provisionszahlungen (professionelles Fundraising), vermeintlich hohe Verwaltungskosten und allgemeines Misstrauen, wenn man die Ergebnisse einer Spende nicht unmittelbar selbst vor Ort besichtigen kann.

Diese Dinge sind aber nicht entscheidend, sondern das, was durch die Spende bewirkt wird. Ein Beispiel zur Veranschaulichung.

Bei uns in der Schweiz kostet die Ausbildung eines Blindenhundes  zB ca. 40.000€. Dieser ermöglicht zweifelsohne einem Blinden für etwa 10 Jahre eine bessere Lebensqualität. Gute Sache. Aber: Eine Milliarde Menschen auf der Welt leben von ca 1€ pro Tag. Mit dem gleichen Geld von 40.000€ kann ich also über 100 (!) Menschen, die unter erbärmlichsten Lebensbedingungen ihr Dasein fristen, ihr Jahreseinkommen (!) verdoppeln (!). Ich glaube, auch eine gute Sache. Wenn man jetzt mal davon ausgeht, dass alle Menschen auf der Welt gleichermassen Anspruch auf lebenswerte Rahmenbedingungen haben, ist das Spendengeld - so meine Meinung - in der zweiten Variante besser angelegt. Zumal die Betroffenen häufig ihr Zusatzeinkommen von 1€ nicht kosumieren, sondern investieren. ZB dadurch, dass sie es sich leisten, ihre Kinder in die Grundschule zu schicken.

Die Stiftung für Effektiven Altruismus beschäftigt sich professionell mit diesen Fragen und lenkt Mittel an die jeweils effizientesten Einsatzszenarien. Manche effektive Altruisten (viele Studenten) leisten sogar einen Eid, lebenslang mindestens 10% ihres Einkommens an die jeweils effizientesten gemeinnützigen Organisationen der Welt zu leisten. Krass und toll, oder?

 

Moin Olaf,

ich habe es genauso gemacht, neben meinem eigenem Leben engagiere ich mich in einer Stiftung für Familien mit Krebserkrankungen direkt hier in Hamburg. Jedes Jahr zum Marathon wird ein Spendenlauf organisiert. Aus der Wirtschaft und gesammelten Geldern beim Lauf mit Eimern direkt auf der Laufstrecke, kommt ein schöner 6stelliger Betrag zusammen und wird noch direkt nachdem Lauf bei einem Grillfest übergeben. Eine riesen Sache die einem das ganze Jahr beschäftigt, aber eben auch nicht wirklich eingrenzt. Einzig der Marathon Tag selbst ist bindend. Alles andere kann bei freier Zeiteinteilung organisiert werden.

Das Ergebnis wird direkt bei im Therapiezentrum mit den Kindern sichtbar und die Kontakte zur Wirtschaft sind spannend und öffnen Türen welche einem normal verschlossen wären.

 

Super, Axe. Ich wünsche allen, soweit zu kommen. Es ist wirklich schön, sich nicht mehr jeden Tag Gedanken darüber machen zu müssen, wo das Geld herkommt. Es macht zudem auch Freude, darüber nachzudenken, wohin man sein eigenes Geld geben könnte, um maximal Gutes zu tun....

Ich bin umgekehrt eher an einem Punkt, wo ich mich (wie viele andere) frage, was ich sinnvollerweise mit meinem „Restleben“ anfangen soll. http://www.wie-alt-werde-ich.de sagt, ich würde noch 38,6 Jahre leben. Ich hab neben dem üblichen (ein wenig weiterbeiten, reisen) die Idee, mich für die Stiftung für effektiven Altruismus zu engagieren.

Vielleicht bin ich noch zu jung und/oder zu sehr im Berufsleben gefangen....vielleicht finde ich daher den Gedankengang mehr als merkwürdig.

Mit 2 Hobbies, Fitness, gesunder Ernährung, Hausarbeit und gelegentlichem Reisen ist man doch gut ausgelastet. Falls dir langweilig ist, kannst du auch im hohem Alter noch arbeiten.

Oder geht die Frage in Richtung: Welche größeren Ziele setze ich mir, in der Zeit, die mir noch bleibt?

Was ist daran merkwürdig?

Es stimmt schon, noch im Hamsterrad zu sein, hält einen schon davon ab, über diese Dinge nachzudenken. Aber: Was bedeutet denn „ausgelastet“? Warum noch für Geld arbeiten, wenn man schon genug hat? Bitte nicht missverstehen: ich fühle mich durchaus wohl und habe keine „Midlife-Crisis“.  Es gibt auch seriöse Forschung zum Thema Lebenssinn jenseits des religiösen Schwachsinns, mit dem man gelegentlich in diesem Kontext konfrontiert wird. Tatjana Schnell aus Österreich hat da zB ganz gute Beiträge entwickelt, über die es sich nachzudenken lohnt...

Die Aussage klang, als ob du nicht weißt was du mit deiner freien Zeit anstellen sollst. Wobei ich nicht denke, dass es so ist.

Denjenigen, denen ich mitgeteilt habe, dass ich mit spätestens 50 in den "Ruhestand" gehen will, haben mich verwundert angeschaut. Viele haben gefragt, was ich denn dann den ganzen Tag mache. Ich finde die Frage vollkommen merkwürdig. Das kommt aber daher, dass ich seit meiner Jugend keine Langeweile mehr hatte und die Liste immer länger wird, mit Dingen, die ich gerne umsetzen möchte...während andere nach der Arbeit nach Hause kommen und sich auf das Sofa schmeißen und fern schauen oder Computer spielen.