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Alte fondsgebundene Lebensversicherungen

Wie vermutlich auch einige andere bin ich nach Studienende in die Fänge von MLP geraten und habe 2003 sowohl eine klassische Lebensversicherung, als auch 2 fondgebunden Lebensversicherungen (MLP bestpartner topinvest) abgeschlossen.

Ich zahle auch aktuell noch monatliche Beiträge, habe allerdings irgendwann die Dynamik beendet.

Jetzt frage ich mich mal wieder, was mit solchen Altlasten, die ich mit heutigem Wissen wohl nicht mehr abschließen würde, zu tun ist: laufen lassen, beitragsfrei stellen oder ganz kündigen (und das Geld direkt z.B. in einen MSCI World stecken). Was würdet ihr da entscheiden ?

Die besparten Fonds (WKN A0RL7W, 120541, 120543, 120544, 120546, 120547) sind von der Performance her wenigstens zum Teil gar nicht so schlecht.
Wenn ich richtig sehe, ist der Hauptvorteil ja der Wegfall der Abgeltungssteuer und das ist ja nicht ohne.

P.S.: Ich werde sie definitiv nicht bis zum Laufzeitende besparen, d.h. zu meinem vorzeitigen Ausstieg aus dem regulären Berufsleben hätte ich auch die Frage beitragsfrei stellen oder gleich auszahlen lassen

Ich habe selbst auch fondsgebundene Rentenversicherungen, die ich weiter bespare. Zum einen habe ich dort auch BU und Beitragsbefreiung drin. Die gehören zu meiner Absicherung im Krankheitsfall. Dann sind einige Verträge auch noch steuerfrei bei Auszahlung, die anderen steuerbegünstigt. Klar, die Fonds sind aktiv gemanagt und haben deshalb eine höhere TER als ein heutiger ETF. Aber ich kaufe im Versicherungsmantel generell ohne Ausgabeaufschlag, kann sooft ich will, die Fonds innerhalb einer großen Palette tauschen/wechseln und Fonds mit niedrigem TER wählen. Und ich habe eine feste Rentenzusage je 10.000 € Kapital, falls ich die lebenslange Rente wählen will.

Für mich ist das Risikostreuung/Diversifikation. Sollte es soweit kommen, dass ich Grundsicherung beantragen muss, dann sind solche Policen auch zum Teil geschützt, während ich ein freies Depot vermutlich (hab mich da nicht genau eingelesen) ganz auflösen müsste - sowas wird in D halt immer noch nicht als Altersvorsorge betrachtet.

Und letztens: Sollte ich in den nächsten Wochen/Monaten der Krise Kredit brauchen, kann ich mir darüber ein sehr zinsgünstiges Policendarlehen besorgen, eine Unterschrift, Postlaufzeit, zack, Geld auf dem Konto. Keine Sicherheiten, keine Rückzahlungsvereinbarung, rückzahlbar in mind. 500-€-Schritten wann immer ich will. Meine Fonds entwickeln sich währenddessen weiter.

Deine PS-Frage kannst nur Du beantworten (Alter, Ausstiegsplan, Vermögen insgesamt, andere Renten, Steuern etc.)

Hallo Christine,

danke für deinen sehr hilfreichen Beitrag !

Vielleicht hast du ja auch noch bei folgender Frage, die ich mir stelle, eine Antwort:

Es wird generell davon abgeraten, eine LV zu kündigen, weil man angeblich so große Verluste hat. Das erschliesst sich mir bei einer fondsgebundenen LV aber nicht: ich habe die Abschlussgebühren bereits in den ersten 6 Jahren gezahlt, die ist also eh weg. Angenommen ich stelle mit 50 Jahren die LV beitragsfrei und mit 57 Jahren kann ich das Geld gerade gut brauchen und die Börsen stehen da gerade alle auf Höchststand. Dann hätte ich doch mit einer Kündigung innerhalb eines Monats das aktuelle Fondsguthaben steuerfrei auf meinem Konto. Wenn ich dagegen bis zum eigentlichen Ablaufdatum mit 65 Jahren warte, kriege ich dann doch auch nur das aktuelle Fondsguthaben, nur halt zu den Kursen an eben diesem Zeitpunkt. Zwischen der Variante "zu einer beliebigen Zeit kündigen" und "bis zum Ablaufdatum warten" sehe ich daher gar keinen Unterschied, oder ?!

https://www.policendirekt.de/ratgeber/tipps-zur-besteuerung-von-lebensversicherungen/

3 Tage Woche. Teilzeitarbeit.
Zitat von stefan40 am 25. März 2020, 15:07 Uhr

Angenommen ich stelle mit 50 Jahren die LV beitragsfrei und mit 57 Jahren kann ich das Geld gerade gut brauchen und die Börsen stehen da gerade alle auf Höchststand. Dann hätte ich doch mit einer Kündigung innerhalb eines Monats das aktuelle Fondsguthaben steuerfrei auf meinem Konto. Wenn ich dagegen bis zum eigentlichen Ablaufdatum mit 65 Jahren warte, kriege ich dann doch auch nur das aktuelle Fondsguthaben, nur halt zu den Kursen an eben diesem Zeitpunkt. Zwischen der Variante "zu einer beliebigen Zeit kündigen" und "bis zum Ablaufdatum warten" sehe ich daher gar keinen Unterschied, oder ?!

Hallo Stefan,

neben dem wichtigen Aspekt der Steuerfreiheit/Steuerbegünstigung (Link vom 49er) würde ich hinsichtlich der Frage "Unterschied zwischen beitragsfrei stellen und kündigen" einfach mal in die Berechnung reinschauen, die Du vor Abschluss bekommen hast bzw. die Du jährlich aktualisiert bekommst. Da müssten Verläufe drin sein und da kannst Du auch sehen, ob ein Schlussüberschuss gezahlt wird, wenn Du das ursprünglich vereinbarte Abrufdatum erreichst/einhältst. Hast Du eine Police mit Korridor? Bei der Du also bspw. bis zu 5 Jahre vor und bis zu 5 Jahre nach dem ursprünglichen Rentenbeginn-Zeitpunkt jederzeit entscheiden kannst, das Kapital regulär abzurufen (auch in Teilen) oder die Rente beginnen zu lassen oder einen Teil auszahlen und einen Teil verrenten zu lassen? Laufen Zusatzversicherungen? All das kannst Du in der Berechnung sehen. In meinem Vertrag mit der BU-Rente stehen bspw. der vertraglich garantierte Wert, das Fondsguthaben, der nicht garantierte Schluss-Überschussanteil der BUZ und der nicht garantierte Anteil an den Bewertungsreserven.

Ansonsten: Konkret bei der Versicherung (nicht dem Verkäufer) eine Berechnung anfordern, wie sich der Auszahlungsbeitrag bei Kündigung alternativ bei Freistellung und Warten auf den Ablauftermin zusammensetzt. Da siehst Du dann, welche Positionen abgesehen vom Fondsguthaben noch in die Gesamtsumme einfließen.

PS: Zu Deiner Frage wegen Börsenhoch oder Geldbedarf kurz vor dem regulären Ende der Police: Hier kann sich ein Policendarlehen rechnen oder eine Umschichtung in Geldmarktfonds. Das muss man einfach konkret rechnen lassen, wenn es soweit ist. Ich vermute, beides ist günstiger als Kündigung, aber genau kann Dir das nur Dein Versicherer sagen.

Zitat von stefan40 am 23. März 2020, 10:17 Uhr

Wenn ich richtig sehe, ist der Hauptvorteil ja der Wegfall der Abgeltungssteuer und das ist ja nicht ohne.

Jetzt erst gesehen: Du hast auf jeden Fall einen Steuer-Stundungseffekt bis zur Entnahme des Geldes. Ob die Auszahlung steuerfrei ist, hängt vom Abschlusszeitpunkt und Beitragszahlungsdauer/Laufzeit ab, siehe https://www.finanztip.de/lebensversicherung-versteuern/

 

 

Super, vielen Dank für die Antworten !

Dann werde ich sie jetzt erstmal normal weiter besparen und dann in ein paar Jahren beitragsfrei stellen. Das bis dahin angesammelte Fondsguthaben ruht dann solange (bzw. verändert sich nur noch je nach Kursverläufen), bis ich es bei Ablauf (dann aber steuerfrei) abrufen kann.