Auto kaputt

Waschmaschine, Autowerkstatt, Stromnachzahlung: Unvorhergesehene Kosten (und wie du sie vermeidest)

Vielleicht kennst du das: Du verfolgst nun schon einige Monate fleißig den Frugalisten-Blog und hast dir jetzt auch endlich vorgenommen, einen Teil deines Einkommens zu sparen und anzulegen. Eine gute Entscheidung. An sich sieht auch alles bestens aus. Nachdem die Miete, Lebensmittel, Versicherungen und der Sprit fürs Auto bezahlt sind, bleiben dir noch einige hundert Euro übrig, mit denen du dein frisch eröffnetes Investment-Portfolio besparen willst. Aber am Ende des Monats kommt die böse Überraschung: Mal wieder ist von deinem Einkommen nichts übrig geblieben, weil irgendetwas Unvorhergesehenes dazwischen gekommen ist. Die Waschmaschine oder der Fernseher ist kaputt gegangen, das Auto musste in die Werkstatt, im Keller ist ein Wasserrohr geplatzt, der Hund musste notoperiert werden oder dir kam eine gewaltige Stromnachzahlung ins Haus geflattert. Eigentlich könntest du locker 50 % deines Gehalts sparen, wären da nicht diese ständigen unvorhergesehenen Ausgaben, meistens sogar im hohen dreistelligen oder sogar vierstelligen Bereich. Irgendwas ist einfach immer.

Auch bei uns gab es neulich so ein unvorhergesehenes Ereignis. Joana und ich arbeiten in einer ländlichen Gegend Englands und unsere Arbeitsplätze liegen mehr als 50 Kilometer voneinander entfernt. Darum können wir nicht beide mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. Während ich meinen Arbeitsweg mit Zug und Fahrrad bestreite (bzw. mittlerweile nur noch mit dem Fahrrad), muss Joana jeden Tag mit dem Auto zu ihrem Job fahren.
Eines Morgens blieb ihr Auto dann leider mitten auf der Schnellstraße liegen: Motorschaden. Der Abschleppdienst musste kommen und berappte 250 € für die Bergung. Da eine Reparatur ziemlich aufwändig gewesen wäre, kam stattdessen Joanas Papa aus Deutschland angereist, brachte ihr ein Ersatzauto und nahm das kaputte Fahrzeug wieder mit zurück. Kosten für den Transfer: 600 €.
In der Zwischenzeit benötigte Joana einen Mietwagen, um zur Arbeit zu kommen – noch einmal 150 € weg. Mir nichts, dir nichts erzeugte die Autopanne also Ausgaben von 1000 €. Die Sparquote eines ganzen Monats war futsch.

Dieses Ereignis brachte mich zum Nachdenken: Konnte mir so etwas eigentlich auch passieren?
Hätte mein Zug einen Motorschaden, dann würde mich das rein gar nichts kosten. Im Gegenteil: Bei einem Zugausfall bekäme ich den gezahlten Fahrpreis sogar von der Eisenbahngesellschaft zurückerstattet. Und selbst wenn mein Fahrrad komplett in seine Einzelteile zerfallen würde, müsste ich mir im schlimmsten Fall ein neues gebrauchtes Rad kaufen. Maximale Fallhöhe: 50 €. Ich stellte fest, dass auf meinem Arbeitsweg gar nicht so große Kosten entstehen konnten. Selbst im größtmöglichen Schadensfall würde mir am Ende des Monats so zuverlässig ein vierstelliger Geldbetrag zum Sparen übrig bleiben.

Die Kostenexposition: Wie anfällig ist dein Lebensstil für unvorhergesehene Ausgaben?

Wäre es nicht praktisch, wenn ich neben dem Arbeitsweg auch meine anderen Lebensbereiche so gestalten könnte, dass hohe unvorhergesehene Kosten gar nicht erst entstehen können? Dann müsste ich nicht wochenlang in meinem Job arbeiten gehen, nur um eine doofe Autoreparatur bezahlen zu können. Ich könnte mein Geld besser für wichtigere Dinge einsetzen. Und nicht zuletzt stünde einer konstant fetten Sparquote (und damit meiner finanziellen Freiheit) nichts mehr im Wege.
Diesen Gedanken nenne ich das Prinzip der niedrigen Kostenexposition.

Deine Kostenexposition ist die Anfälligkeit deines Lebensstils gegenüber hohen, unvorhergesehenen Ausgaben.

Joanas Auto bildet bei uns zum Glück eine eher unrühmliche Ausnahme. Ansonsten sind wir kaum anfällig gegenüber unvorhergesehenen Ausgaben, unsere Kostenexposition ist allgemein recht niedrig. Bei einer durchschnittlichen Mittelstands-Familie sieht das schon anders aus: Großes Eigenheim, zwei Autos, vielleicht noch ein Motorrad. Waschmaschine, Trockner, Kühlschrank, Geschirrspüler, Fernseher und Audio-Anlage. iPhones, iPads, Flachbild-Fernseher, Hund, Meerschweinchen, Gartenteich, Wintergarten und Swimming Pool. Die Rechnung ist simpel: Je mehr du hast, desto mehr kann kaputt gehen und desto mehr unvorhergesehene Kosten können auf dich zukommen.

Wie lassen sich diese Ausgaben aber überhaupt abschätzen? Liegt es nicht in der Natur unvorhergesehener Kosten, dass sie unvorhergesehen sind und einfach mal überraschend aus dem Nichts kommen?
Dafür machen wir mal einen kleinen Ausflug in die Statistik. In Wahrheit gibt es nämlich zwei Arten von unvorhergesehenen Ereignissen: die unerwarteten und die erwarteten unvorhergesehenen Ereignisse.
Unerwartete unvorhergesehene Ereignisse sind solche, die eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit haben, und mit denen eigentlich niemand wirklich rechnet: Ein Flugzeugabsturz, eine seltene Krankheit, ein Wohnungsbrand.
Erwartete unvorhergesehene Ereignisse treten hingegen mit großer Sicherheit irgendwann einmal auf – nur den genauen Zeitpunkt kennst du nicht. Jeder weiß: Eine Waschmaschine geht irgendwann einmal kaputt. Ein Auto erfordert nach einer gewissen Zeit Reparaturen. Statistisch gesehen verlierst du alle 10 oder 15 Jahre einmal dein Portemonnaie.

Würdest du nun deine Ausgaben für diese erwarteten unvorhergesehenen Ereignisse über einen längeren Zeitraum aufschreiben, sagen wir mal über 10 Jahre, dann würdest du folgendes feststellen: Ob in einem einzelnen Monat einmal mehr oder weniger passiert („Diesen Monat ging aber auch wirklich alles auf einmal kaputt!“), spielt langfristig gar keine Rolle. Je höher deine Kostenexposition ist, das heißt je mehr Möglichkeiten für diese Art von Ereignissen in deinem Leben eingebaut sind, desto größer waren mit Sicherheit auch deine unvorhergesehenen Ausgaben.
Für diese „Messperiode“ von 10 Jahren könntest du jetzt einen monatlichen Durchschnittswert bilden. Wenn du deinen Lebensstil in der Zukunft so ähnlich beibehältst, dann wirst du auch in den nächsten 10 Jahren wieder auf einen ganz ähnlichen Durchschnittswert kommen. Einen Monat wird es mal deutlich mehr, einen anderen deutlich weniger sein, aber im Schnitt kannst du für deine unvorhergesehen Kosten mit diesem Durchschnittswert rechnen.

Es ist also nicht einfach Pech oder Zufall, wenn du regelmäßig unvorhergesehene größere Ausgaben stemmen musst und darum nichts sparen kannst. Denn diese Ausgaben sind in Wahrheit völlig erwartbar und lassen sich langfristig sogar ganz gut abschätzen. Ihre Höhe und Häufigkeit wird maßgeblich von deiner individuellen Kostenexposition bestimmt. Je anfälliger dein Lebensstil für hohe unvorhergesehene Ausgaben ist, desto größer werden diese Ausgaben auf lange Sicht auch sein.

Wie sieht es denn nun bei mir aus? Und wieso ist meine Kostenexposition niedriger als bei der deutschen Mittelstandsfamilie? Es hat vor allem einen Grund: Ich besitze fast keine Sachen, die hohe unvorhergesehene Kosten verursachen können. Ich habe kein Auto, keinen Gartenteich und keinen Wäschetrockner. Wir wohnen momentan zur Miete in einer Hausgemeinschaft, die Waschmaschine und den Geschirrspüler teilen wir uns mit unseren Vermietern. Die wenigen Gegenstände, die ich täglich benutze, sind fast alle günstige Gebrauchtgüter, die im Schadens- oder Verlustfall günstig zu ersetzen sind. Hier mal eine kleine Abschätzung meiner individuellen Kostenexposition:

  • Mein Fahrrad (50 €)
  • Laptop (230 €) und Smartphone (50 €)
  • Meine Brille (300 €)
  • Portemonnaie (40 €, hauptsächlich für den Ersatz von Karten und Ausweisen, da ich kaum Bargeld dabei habe)
  • Meine Hose, die beim Skaten oder Radfahren schon mal kaputt gehen kann (40 €)

Während die Durchschnittsfamilie regelmäßig irgendwelche unvorhergesehenen (aber erwartbaren) Kosten von mehreren hundert oder tausend Euro stemmen muss, kostet mich selbst der totale Armageddon – nämlich wenn alle Sachen auf einmal kaputt oder verloren gehen – gerade einmal gut 700 €.

So vermeidest du unvorhergesehene Kosten

Jetzt hat Oliver hier ja toll herumphilosophiert. Aber was nützt mir das Ganze? Muss ich jetzt mein Auto und meine Waschmaschine verkaufen, nur damit ich eine geringere Kostenexposition habe und mehr Geld sparen kann?

Keine Angst, das musst du nicht. Auch ich halte eine Waschmaschine für eine großartige Erfindung, auf die ich nur ungerne verzichten würde.
Natürlich gilt in erster Linie immer:  Was ich nicht habe, kann auch keine Kosten verursachen. Darüber hinaus gibt es aber auch noch weitere Strategien, um deine Kostenexposition zu senken, ohne auf die Annehmlichkeiten des modernen Lebens verzichten zu müssen.

  • Vermeide Besitztümer mit hoher Kostenexposition und nutze stattdessen Alternativen mit einer niedrigeren Kostenexposition, die den gleichen Zweck erfüllen. Fahre mit dem (Elektro-) Fahrrad zur Arbeit statt mit dem Auto. Trockne deine Wäsche auf einem Wäscheständer statt im Trockner. Wohne als Hausbesitzer so klein und einfach wie möglich. Je weniger an deinem Haus dran ist, desto geringer fallen mögliche Reparaturen aus. Kaufe Gebrauchtgegenstände. Statt einem 2.000-€-Fernseher tut es auch ein älterer für 100 €. Ein Defekt tut dann auch nicht ganz so weh.
  • Teile Besitztümer mit hoher Kostenexposition mit anderen. Eine Waschmaschine im Waschkeller eines Mietshauses kann von mehreren Parteien gemeinsam benutzt werden. Teile dir ein Auto mit deinen Nachbarn oder nutze kommerzielles Car Sharing. Zieh in eine Hausgemeinschaft oder WG. Teile dein Haus in zwei Wohnungen auf und vermiete eine Hälfte. Auch mit dem Zug zu fahren heißt teilen: Man teilt sich ein großes Fahrzeug mit anderen und damit (indirekt über den Ticketpreis) auch die Reparaturkosten. Statt in ein Haus mit riesigem Garten kannst du in die Nähe eines Parks oder Naturgebiets ziehen. Ein Park oder Wald ist wie ein großer Garten, den man sich mit anderen Menschen teilt (und dessen Pflege von Steuern bezahlt wird).
  • Und zum Schluss die Königs-Strategie. Die Repair-Gurus von iFixit sagen dazu: If you can’t fix it, you don’t own it. Zu deutsch: Wenn du es nicht reparieren kannst, dann gehört es dir nicht. Lerne deine Besitztümer selbst zu reparieren. Kein Schaden kann dich finanziell aus der Bahn werfen, wenn du ihn mit eigenem Geschick und Können wieder gerade biegen kannst. Joanas Papa repariert seine Autos selbst. Hat eines einen Motorschaden, besorgt er von irgendwoher einen neuen Motor und baut ihn ein. An Autos traue ich mich persönlich noch nicht ran, aber immerhin repariere ich meine Fahrräder auf eigene Faust. In der Familie und im Freundeskreis mache ich Handys und Computer wieder flott. Grundsätzlich versuche ich mich einfach immer erstmal selbst, wenn etwas nicht mehr funktioniert und lerne so auch jedes Mal etwas dazu.
    Auch wenn du nicht alles selbst reparierst, kann bereits die reine Sachkenntnis die Reparaturkosten senken. Geh mal in eine Autowerkstatt, sag dem Mechaniker, was genau kaputt ist und bring gleich das benötigte Ersatzteil mit (das du zuvor bei eBay gekauft hast). Ich gehe jede Wette ein, dass du einen deutlich besseren Preis bekommst, als wenn du sagst „Irgendwo hinten rechts klappert es. Könnten Sie mal schauen?“. Ähnlich sieht es auch bei Waschmaschinen oder Wäschetrocknern aus. Solche Geräte zu reparieren ist ungeheuer schwer. Es reicht aber auch schon sich damit soweit auszukennen, dass man vom Waschmaschinen-Techniker nicht übers Ohr gehauen wird.

Alles, was du besitzt, besitzt ein Stück weit auch dich. Du musst Geld, Zeit und Lebensenergie in Reparaturen, Umzüge, Entsorgung oder Wiederverkauf stecken. Frage dich bei jeder Anschaffung, die du in dein Leben lässt: Was sind die erwartbaren, unvorhergesehenen Kosten? Ist dir die Anschaffung das überhaupt wert?
Wenn ja, wie kannst du diese Kosten möglichst gering halten? Gibt es eine Alternative mit niedrigerer Kostenexposition? Kannst du vielleicht mit anderen teilen? Oder die Instandhaltung und Reparatur selbst erledigen und dabei gleich etwas Neues lernen?

Wir haben aus der Geschichte auf jeden Fall gelernt. In Zukunft werden wir uns bemühen, dass unsere Arbeitsplätze näher beieinander liegen, so dass keiner von uns mit dem Auto fahren muss.

17 thoughts on “Waschmaschine, Autowerkstatt, Stromnachzahlung: Unvorhergesehene Kosten (und wie du sie vermeidest)

  1. Superguter Artikel Oli, so seh ich das auch, bin aber technisch völlig unbegabt, leider. Fernseher, Trockner und Auto besitze ich auch nicht, das verursacht dann tatsächlich keine Kosten und mir geht nix ab wenn ich das nicht besitze.

    Gerade vorgestern wollte ich abends meine Rolladen runterlassen, die Heizperiode hat begonnen und da muss die Wärme dann nicht über die grosse Scheibe entweichen, …. doof, das Mistteil klemmte… im Normalfall hätte ich gleich den Kundendienst gerufen, so hab ich mal gegoogelt und dann diese Laufschienen mal geölt, das habe ich in all den Jahren nie gemacht, jetzt geht der Rolladen wieder und ich bin dabei alle Rolladen so zu behandeln, das war nun einfach Unwissenheit, wiegesagt, ich bin technisch unbegabt, aber faul oder nachlässig gehe ich sonst nicht mit meinen Sachen um.
    Wohl dem der einen Handwerker in der Familie hat!

    Ich habe ja mehrere Katzen, wenn der Tierarzt nötig ist, dann ist es so, dafür lege ich jeden Monat extra Geld weg, ich gehe nicht wegen jedem Durchfall zum Tierarzt aber ich gehe rechtzeitig, da würde man nämlich am falschen Ende sparen. Nochmal würde ich mir aber nicht so viele Tiere zulegen, davon kann ich nur abraten.

    Es gibt glaub für Alles und Jenes gute youtube videos, gewisse Sachen kann man durchaus auch mal selber in Angriff nehmen, ich probiere mich da auch zu verbessern.
    Auf jeden Fall wieder mal ein toller Denkanstoss! Vielen Dank Oliver!

    • Hi Annabella,
      super Sache mit den Rollläden! (merkwürdiges Wort irgendwie… mit den drei ‚l‘ :D). Und du hast gleich wieder etwas über Rollläden gelernt, wenn sie mal wieder klemmen… Bei dir muss ich mir über mangelnden Frugalismus denke ich keine Gedanken machen 😉

      Das mit den Youtube-Videos ist wirklich ein guter Tipp. Da findet man echt alles, in hoher Qualität und leicht nachahmbar. Joana hat mithilfe von Youtube-Videos schon öfter Handys repariert. Für jedes gängige Modell gibt es da astreine Tear-Down-Anleitungen.

      Uns reichen gerade schon unsere drei Katzen 😉 Die sind aber auch nur „gemietet“.

  2. Guter Artikel. Wer die Kosten für das Wohnen und für die Mobilität möglichst klein hält, gehört schon zu den Spargewinnern. Allein durch diese beiden Einsparmaßnahmen kann man schon einige bis viele 100 Euro gegenüber einem Vergleichshaushalt einsparen und mehr investieren. 🙂

    Bei den Wertgegenständen sieht es bei mir ähnlich aus. Alle meine Gegenstände haben einen Wiederbeschaffungswert von jeweils weit unter 1000 Euro.

    • Hi PIBE,

      ja, Wohnen und Transport sind irgenwie immer die beiden „Hauptverdächtigen“. Bei den meisten Leuten bilden sie die beiden größten einzelnen Ausgabenposten. Damit haben sie auch mit das größte Optimierungspotential (insbesondere bei der Kostenexposition, aber auch sonst). Zumal man die Kosten für Wohnen und Transport ziemlich weit herunter fahren kann, ohne nennenswert an Lebensqualität zu verlieren. Auch in einer WG in einer günstigen Wohngegend oder in einem kleinen Haus auf dem Land kann man super gut und luxuriös leben. Und das teure tägliche Auto-Pendeln ist im Wesentlichen ohnehin nur verlorene Zeit und selten Lebensqualität.

      Gebrauchtgegenstände zu kaufen ist für mich fast schon der Life-Hack schlechthin. Man kriegt sie extrem günstig, weil die meisten Leute lieber Neuwaren kaufen. Das Angebot an Gebrauchtgegenständen ist entsprechend hoch, die Nachfrage niedrig. Das drückt den Preis.

  3. ^^ oli, du bist da schon extrem drauf. Als Teil einer Durchschnittsfamilie auf dem Lande (Eigenheim, 4 Leute „Familien-WG“, 4 Autos) fehlt mir allerdings ein wenig der Qualtitäts-Aspekt: kaufe ich mein Rad – sagen wir mal, für 500 Euro – neu, so, dass es mir wirklich passt, ich eine (für mich) gute Sitzhaltung habe und so, und dass auch noch in dem Laden nebenan, wo ich dann auch vernünftige Preise für Reparaturen bekomme, kann ich es jahrelang fahren und habe auch noch Spaß dabei. Habe ich ein gebrauchtes Rad, was ständig kaputt geht, vom Händler nur ungern repariert wird (weil: nicht da gekauft) und ich es dann nicht fahre, oder wenn, ich ständig z.B. Handgelenkschmerzen habe, weil der Lenker für mich nicht passt – dann sind 50 Euro doch auch zuviel gewesen, oder? Aber vielleicht hast Du über Qualität schon mal geschrieben, und ich hab’s nicht gesehen.

    • Von der Idee her hat Oliver sicherlich recht, danke für den Input! Allerdings gibt es Fälle wie den von Susanne beschriebenen, wo sich gezieltes und vernünftiges „Mehr-ausgeben“ durchaus auszahlen kann. Ich sehe z.B. das Beispiel mit der Autowerkstatt und dem eBay-Teil kritisch. Erstens werden viele Handwerker mitgebrachte Teile nicht nutzen / verbauen wollen (dann verdienen sie ja nix am Teileverkauf) und zudem ist die Qualität solcher Teile oft auch fragwürdig. Wenn man also den Handwerker „zwingt“, mitgebrachte Billigteile zu verbauen, braucht er vielleicht die doppelte Zeit zum Montieren weil das billige Teil einfach nicht passen will oder auch kaputt geht während der Montage. Und dann sind die Einsparungen ganz schnell dahin. Daher setze ich wie von Dir empfohlen auf das „Selber machen“. Allerdings auch eher mit hoeherwertigen Teilen, habe schon oft genug Ärger mit Billigkram gehabt…

      • @Christoph:
        Da hast du Recht, man muss natürlich darauf achten, was man sich einbaut. Ich dachte halt, dass „Sachkenntnis“ auch umfasst, das Billige vom Hochwertigen unterscheiden zu können. Mein Beispiel war auch nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern Joana hat das schon einmal so gemacht. Bei ihrem Auto war das Auspuffrohr gerissen. Von eBay kam ein Ersatzteil und ein sehr freundlicher Mechaniker in einer kleinen privaten Werkstatt hat das gerne eingebaut – und für den Einbau nur 10 Pfund (ca. 12 Euro) verlangt.
        Hast du andere Erfahrungen gemacht?
        Wer garantiert mir eigentlich, dass die Autowerkstatt nicht selbst qualitativ minderwertige Komponenten bestellt und verbaut? :))

    • Hi Susanne,
      schön dass du auch hier bist! Ich nehme das „extrem drauf“ mal als Kompliment 😉
      Ich würde das tatsächlich immer etwas differenziert sehen. Also ich würde nicht pauschal sagen, dass man sich immer nur ein gebrauchtes 50-€-Rad kaufen soll, aber auch nicht, dass es immer ein neues für 500 € sein muss. Es hängt von verschiedenen Faktoren ab:
      In erster Linie meine Fahrleistung. Fahre ich nur einmal die Woche sonntags die Straße runter zum Bäcker, dann tut es ein altes Hollandrad für 20 €. Lege ich aber jedes Jahr 20.000 Kilometer auf dem Rad zurück, ist 500 € wohl noch das untere Ende der Fahnenstange. Bei so einer starken Nutzung lohnt sich die Anschaffung hochqualitativen und perfekt passendem Materials. Aber auch hier muss man beachten: Hochqualitativ muss nicht immer neu heißen. Hochwertige Rahmen, Naben, Sattel oder Lenker verschleißen kaum und halten jahrzehntelang. Man kann sich also auch ein gutes Fahrrad gebraucht kaufen und lediglich die Verschleißteile (Bremsen, Züge, Kette, Kettenblatt, Ritzel, Reifen, etc.) austauschen.
      Dann kommt es darauf an, wie gut ich den Einsatz von Geld durch eigene Fähigkeiten kompensieren kann. Wenn ich von Fahrrädern keine Ahnung habe (und auch nichts darüber lernen will) und ein Gebrauchtrad ohne Garantie kaufe, dann bin ich natürlich dem Fahrradhändler bei jeder kleinen Macke hoffungslos ausgeliefert. Selbst die kleinste Reparatur kostet dann mal schnell die Hälfte des Kaufpreises. Das lohnt sich nicht. Bin ich aber ein Reparatur-Junkie und kenne mich mit Fahrrädern bestens aus, dann kann ich ohne Probleme auch zu einem alten Rad mit Macken greifen. Geht was kaputt, kann ich es einfach selbst reparieren.
      Übrigens ist das der beste Weg, Fahrrad-Reparatur zu lernen: Einfach ein altes Fahrrad kaufen und immer reparieren, wenn es kaputt geht. Learning by doing, try and error.

      Bei meiner persönlichen Fahrradsituation spielte auch noch etwas anderes eine Rolle. Als ich mein Rad gekauft habe, wusste ich nicht, wie lange ich es überhaupt brauchen würde. Wir wohnten da noch in Wolverhampton, wollten aber bald umziehen. Vielleicht wären wir näher zu meiner Arbeit gezogen und ich hätte bald gar nicht mehr mit dem Fahrrad fahren müssen. Außerdem stand das Rad jede Nacht und am Wochenende am Bahnhof in Stafford. Ein teures Rad wäre dort vielleicht geklaut oder beschädigt worden. Es wäre also damals keine kluge Entscheidung gewesen, ein teures neues Fahrrad zu kaufen.
      Bei Kleinanzeigen fand ich dann den blauen Flitzer. Baujahr ca. Mitte der 80er, vom Vorbesitzer waren die meisten Verschleißteile runderneuert worden. Er brauchte den Platz und wollte es los werden. Im hügligen Mittelengland will aber niemand ein Rad mit nur drei Gängen kaufen. Darum war er froh, überhaupt einen Käufer zu finden und wollte nur 35 Pfund haben – ich gab ihm 40 (ca. 50 €).

      Naja, dann hatte ich das Fahrrad halt… und es gab keinen Grund ein neues zu kaufen. Mittlerweile (nach einem Jahr) habe ich darauf ca. 4.000 Kilometer zurückgelegt. Reparieren musste ich bisher: Austausch der Bremsklötze vorne. Austausch des Kurbelkeils an der linken Pedalkurbel. Neulich ist das Schaltkettchen an der Nabenschaltung gerissen. Natürlich zahlreiche geflickte und getauschte Schläuche. Mittlerweile ist die Kette verschlissen und müsste eigentlich mal ersetzt werden (nach einigen tausend Kilometern auch durch Regen, Schnee und Schlamm ist das völlig normal).
      Und natürlich ab und an mal Schrauben festziehen, säubern, etc.
      Handgelenksschmerzen oder ähnliches hatte ich während der gesamten Zeit keine, das muss also nicht unbedingt vom Kaufpreis des Rades abhängen.

      Wenn das Fahrrad eines Tages das Zeitliche segnet und ich sicher davon ausgehen kann, dass ich mindestens zwei, drei Jahre lang jedes Jahr so viele Kilometer fahre (wovon ich derzeit nicht ausgehen kann), dann würde ich auch eher mehr Geld für ein Rad ausgeben.

  4. Deinem Artikel kann ich nur zustimmen.
    Je mehr Sachen Du besitzt, desto mehr Sachen können natürlich auch unerwartet kaputt gehen.
    Besonders bei Häusern, Wohnungen und Autos wird das dann schnell teuer.
    Auch aus diesem Grund finde ich es besser selbst kein Eigenheim und Auto zu kaufen und zu besitzen, weil neben den hohen regelmäßigen Ausgaben auch schnell noch hohe unerwartete Kosten auf einen zukommen.
    So kann eine kaputte Heizungsanlage schnell mal 10.000€ und mehr kosten und damit eine vergleichbare Jahresmiete auffressen. Bei einer Mietswohnung kann so etwas nicht passieren.

    Die unerwarteten Ausgaben treffen dabei natürlich jemanden, der jeden Monat sein gesamtes Geld ausgibt, umso härter. Wenn ich damit rechne, dass es zu unerwarteten Ausgaben kommen wird und hierfür jeden Monat einen bestimmten Betrag zurücklege, bringt das nicht meinen ganzen Haushalt in Schieflage.
    Erst heute habe ich von einer Mitstudierenden wieder gehört, dass sie mit den anderen nicht shoppen gehen kann, weil es eine hohe Stromnachforderung gegeben hat.

    Schöne Grüße
    Dominik

    • Hi Dominik,

      Gerade am eigenen Haus kann viel passieren. Du hast mit der Heizungsanlage ja schon ein gutes Beispiel angesprochen. Auch das Dach ist ein guter Kandidat für hohe Kosten. Solche Geschichten hört man von Hausbesitzer öfter. Das ist natürlich kein Ausschlusskriterium für ein Eigenheim, aber man sollte diese Kostenexposition bei einem Vergleich „Mieten vs. Kaufen“ mit einberechnen. Wenn ich 10.000 € in meine kaputte Heizungsanlage stecke, aber gleichzeitig sage „Mieten ist rausgeworfenes Geld“, na da passt doch was nicht 😉
      Auf jeden Fall sollte man für solche Fälle mindestens ein gutes Finanzpolster haben. Wie du schon schreibst:

      „Wenn ich damit rechne, dass es zu unerwarteten Ausgaben kommen wird und hierfür jeden Monat einen bestimmten Betrag zurücklege, bringt das nicht meinen ganzen Haushalt in Schieflage.“

      Genau, so sollte es mindestens sein. Das empfiehlt ja auch die gängige Finanz-Lehrmeinung. Die frugalistische Finanz-Lehrmeinung sagt dann: Noch besser ist es, die Kosten von vorneherein zu reduzieren oder gänzlich zu vermeiden. Teilt man sich das Haus mit noch einer Partei, kostet die Heizungsreparatur plötzlich nur noch 5.000 €. Kennt man einen Heizungsmonteur (oder kann es sogar selbst), sind es nur noch 2.000 €. Verzichtet man gänzlich auf eine Heizung… nagut das geht jetzt vielleicht zu weit 😉

  5. Was Du ansprichst ist eigentlich sehr offensichtlich. Und dennoch wird es von vielen Leuten so nicht wahrgenommen. Auch mir wurde dies erst durch den Artikel wieder bewusst.

    Besonders Beispiel wie Bahnfahren sind da treffend. Viele meckern über den hohen Preis (welcher in der Tat günstiger sein könnte). Allerdings ist damit alles abgegolten. Ich zahle den Preis für die Fahrt. Verschleis, Wartung, Reparaturen übernimmt die Bahn, so dass ich keine Überraschungen habe. Im Gegensatz zu meinem Auto. Da kann jederzeit was kommen.

    Gruß
    Fuseboroto

    • Hi Fusebororo,

      stimmt, es sollte offensichtlich sein – ist es aber für viele nicht. Ich schätze, weil diese unvorhergesehenen Kosten so versteckt sind. Man sieht sie nicht, bis sie dann tatsächlich auftreten. Dass sie sich über einen längeren Zeitraum mitteln, hat mit Wahrscheinlichkeit zu tun, und dafür haben wir Menschen nur eine sehr schlechte Intuition.

  6. Bei mir kann auch nicht all zu viel kaputt gehen. Mir machen eher Notfälle sorgen: Was, wenn mit meinen Eltern was wäre und ich schnell einen Mietwagen bräuchte? Oder im Urlaub mein Rückfahrticket geklaut wird? Mich die Mafia verfolgt und ich das Land verlassen muss?

    Für solche Fälle habe ich genug Geld auf meinem Girokonto. Sofort verfügbar umd nicht im Depot oder auf irgendwelchen Festgeldkonten.

    • Hi Jenny,
      ich hoffe mal sehr, dass deine Verfolgung durch die Mafia mit anschließendem Exil eher in die Kategorie „unerwartete unvorhergesehene Ereignisse“ fällt. 😀 Oder müssen wir uns Sorgen machen?
      Aber für alles andere ist ein bisschen Reserve auf dem Girokonto gut. Ich selbst halte dafür immer 2.000 britische Pfund auf meinem englischen Konto und nochmal 3.000 bis 5.000 € auf meinem deutschen Giro. Man weiß nie was kommt 🙂

  7. Hallo, etwas spät, aber ich gerne auch noch meinen Senf mit dazu:

    Die Denkrichtung des Artikelns kann ich verstehen und halte sie für durchaus richtig.
    2 Dinge sehe ich etwas kritisch:
    1. 50€ Fahrrad und 40 € für den Ersatz aller Dokumente, das sind schon arg extreme Beispiele. Als meinem Vater letztens die Geldbörse geklaut wurde hat er alleine für den Ersatzausweis 40€ bezahlt, danach nochmal 50€ für den richtigen Ausweis, Bankkarten etc. kosteten auch je 10 bis 20€.

    2. Bei einer Mietwohnung entfallen ja nicht einfach wundersamerweise die Kosten für Reparaturen an Waschmaschinen, Heizungen und Hausdächern. Man bezahlt sie halt (immerhin deutlich besser planbar) mit, da die koasten auf Miete und/oder Nebenkosten umgelegt werden.

    Die eigentlich Ersparnis bei sowas liegt eher darin, dass man sich im Normalfall mit einem niedrigeren Niveau zufrieden gibt als es im eigenen Haus der Fall wäre. In so manchem Gemeinschaftkeller stehen antike Waschmaschinen deren Lärm, gelegentliches Lecken etc. kaum ein „Besitzer“ akzeptieren würde. Für Heizungen giltz dasselbe. Im eigenen Haus investiert man viel eher als ein Vermieter es im vermieteten Haus tun würde. ist ja auch logisch, der Vermieter zahlt schliesslich die höheren Heizkosten einer alten, ineffizienten Heizung nicht selber, sondern die Mieter.

    All das ist wohlgemerkt keine Kritik am Mieten, im Gegenteil. Wie Komemr schreibt, ist ein eigenens Haus meist kein Investment, sondern eine Lifestyle-Entscheidung. EIne solche darf und kann aber natürlich mehr kosten, als sorgenfrei eine 3ZKB-Wohnung zu mieten.

    • Hi Daniel,
      danke für deinen Kommentar! Die 50 € fürs Fahrrad und die 40 € fürs verlorene Portemonnaie sind einfach meine ganz persönlichen Ausgaben für diese Posten. Ob diese nun extrem sind oder nicht ist dann nochmal eine ganz andere Frage. Ich finde sie eigentlich nicht so extrem. Mein Fahrrad hat eben diese 50 € (35 Pfund) gekostet und in meinem Portemonnaie befinden sich an kostenpflichtigen Dokumenten derzeit nur eine Bankkarte, deren Ersatz 10 € kostet. Demnächst möchte ich mir aber noch einen neuen Personalausweis ausstellen lassen (habe zur Zeit nur einen Reisepass, den ich normalerweise nicht dabei habe). Ein neuer Personalausweis kostet 28,80 €:
      http://www.personalausweisportal.de/DE/Buergerinnen-und-Buerger/Der-Personalausweis/Gebuehren/gebuehren_node.html

      Dass das Mieten von Wohnraum und Einrichtung an sich günstiger wäre als Kaufen habe ich nie behauptet. Die Kosten werden, wie du es schon andeutest, natürlich nur vom Vermieter auf den Mieter umgelegt. Die eigentliche Ersparnis liegt darin, *geteilten* Wohnraum zu mieten (z.B. in einer WG oder eine kleine Wohnung in einem größeren Haus). Dann teilen sich die Kosten auf alle nutzenden Parteien auf oder wird entsprechend anteilig auf alle Nutzer umgelegt.

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