Stuff Cloud

Verkaufen, einlagern, gratis mieten: Reicher leben mit der Stuff-Cloud

Vor einigen Jahren besaß ich einmal einen richtigen Tower-Computer, so einen großen, sperrigen Klotz, der unter meinem Schreibtisch stand. Der Rechner war mein ganzer Stolz: ich hatte ihn selbst zusammengebaut, er hatte ein schickes, beleuchtetes Gehäuse und dank Quad-Core-Prozessor auch noch ordentlich Rechenleistung. Für die Uni und für unterwegs hatte ich außerdem noch einen Laptop – ein älteres, gebrauchtes Modell, bei dem es einigermaßen verschmerzbar wäre, wenn er einmal herunterfallen oder gestohlen werden sollte.
Eines Tages – ich steckte gerade mitten in einem wichtigen Uni-Projekt – fing mein Laptop plötzlich an zu streiken. Irgendein Systemfehler hatte sich eingeschlichen und die Kiste blieb nur noch hängen und stürzte ab. Nagut, kein Problem: Ich installierte das Betriebssystem und sämtliche Programme neu, was mich zwar den halben Tag kostete, aber immerhin konnte ich hinterher wieder wie gewohnt mit meiner Arbeit weiter machen. Zwei Wochen später passierte jedoch genau das gleiche mit meinem Tower-Computer. Zum zweiten Mal musste ich eine komplette Neuinstallation durchführen und wieder ging ein halber Tag dafür drauf. Warum mussten ausgerechnet so kurz hintereinander beide Computer anfangen zu spinnen? Plötzlich traf mich eine Erkenntnis: Ich hatte das Problem doch eigentlich selbst zu verantworten. Warum zum Teufel brauchte ich unbedingt zwei Computer? Nicht nur, dass ich ständig zwei Rechner verwalten und auf dem aktuellen Stand halten musste, der Tower-PC war auch noch groß und schwer und bei jedem Umzug würde ich die Kiste mit mir herumschleppen müssen. Hätte ich nur einen Laptop, wäre ich von der zusätzlichen Arbeit und dem überflüssigen Ballast befreit. Außerdem war mein PC auch noch einiges an Geld wert, das ich bei einem Verkauf einstreichen und in mein ETF-Portfolio investieren könnte. Ich überlegte also ernsthaft, meinen Rechner zu verkaufen.
Unweigerlich meldete sich eine Stimme in meinem Kopf: Was ist, wenn ich ihn doch noch einmal brauchen würde? Vielleicht stand im nächsten Semester ein Uni-Projekt an, bei dem ich die Rechenleistung benötigte. Oder ich würde demnächst ein Spiel spielen wollen, dass auf meinem Laptop nicht lief.
Schade, dachte ich, dass es keine Möglichkeit gibt, den Computer zu verkaufen, ihn aber gleichzeitig irgendwie wiederzubekommen, falls ich ihn doch noch einmal bräuchte. Wenn ich ihn doch nur irgendwie einlagern könnte…
Da  traf es mich wie ein Blitz: Natürlich konnte ich das! Ich zerlegte den Rechner in seine Einzelteile und verkaufte diese auf eBay und in meinem Bekanntenkreis. Meine Überlegung: Würde ich doch noch einmal einen schnellen Computer benötigen, könnte ich mir auf umgekehrtem Weg einfach wieder den gleichen oder einen ähnlichen Computer gebraucht kaufen. Ich lagerte meinen Rechner also gewissermaßen ein –  aber nicht in meinem Keller oder auf dem Dachboden – sondern in der Stuff-Cloud!

Was ist die Stuff-Cloud?

Wir leben heutzutage in einer totalen Überflussgesellschaft. Genau wie mein Tower-PC werden jeden Tag Milliarden von Gegenständen hergestellt und massenweise von uns gekauft. Im Schnitt besitzt jeder von uns rund 10.000 verschiedene Dinge, von denen der überwiegende Teil einfach nur zu Hause herum liegt und nur selten oder gar nicht benutzt wird. Immerhin bieten viele Menschen ihre unbenutzten Dinge mittlerweile auf eBay, in Kleinanzeigen oder auf Flohmärkten zum Verkauf an, wodurch täglich tausende und abertausende gebrauchte Gegenstände ihren Besitzer wechseln.
Diesen Marktplatz von gebrauchten Sachen kann man sich wie eine gigantische Wolke aus Waren und Gegenständen vorstellen: der Stuff-Cloud. Benötigst du einen Gegenstand, gehst du einfach zu eBay oder auf den Flohmarkt und greifst dir aus dieser Krempel-Wolke heraus, was immer du gerade brauchst. Wenn du etwas nicht mehr nutzt, verkaufst du es auf umgekehrtem Wege wieder und gibst es somit wieder in die Wolke zurück. Ungenutzte Sachen liegen dadurch nicht mehr bei dir zu Hause herum, sondern für dich unsichtbar in der Cloud, wie in einem riesigen virtuellen Lagerhaus.
So machte ich es also auch mit meinem Computer: Ich warf ihn in die Stuff-Cloud und bekam für den Verkauf noch rund 400 €, die bis heute in meinem Investment-Depot stecken – und sich dort schon kräftig vermehrt haben. Einen schnellen Computer habe ich (entgegen meinen anfänglichen Befürchtungen) seitdem gar nicht mehr gebraucht.

Hast du auch schon einmal gedacht Das könnte ich vielleicht noch gebrauchen? Wie oft kam es vor, dass du den Gegenstand tatsächlich noch einmal benötigt hast? Ich behaupte mal: In gut 90 Prozent der Fälle wärst du in der Zukunft auch ohne diesen gut ausgekommen. Darum lautet meine klare Handlungsempfehlung: Alle Dinge, bei denen du dir nicht sicher bist, dass du sie noch einmal benötigst, solltest du in der Stuff-Cloud einlagern. Verkaufe die Sachen auf eBay, an deine Freunde oder auf dem Flohmarkt, und falls der seltene Fall eintritt, dass du etwas doch noch einmal benötigst, kannst du dir den gleichen oder einen ähnlichen Gegenstand einfach von dort wieder besorgen.

Statt deinen Dachboden oder Keller (oder schlimmer noch: dein Wohnzimmer!) als Lagerfläche zu nutzen, bietet die Stuff-Cloud eine Menge Vorteile:

  • Du musst dich nicht mehr um die Sachen kümmern, sie nicht abstauben, nicht reparieren, nicht waschen und auch nicht mit ihnen umziehen. Sie können dir auch nicht gestohlen werden oder abbrennen. Du musst keine Hausratversicherung für sie abschließen.
  • Die Sachen verbrauchen keinen Platz und verstopfen deine Schränke nicht. So kannst du auf deutlich weniger Wohnfläche wohnen oder mehr von deiner vorhandenen Wohnfläche für dich selbst nutzen.
  • Du bekommst einen Verkaufserlös, den du anlegen kannst. Das Geld ist so nicht mehr in ungenutzten Gegenständen gebunden und du kannst es arbeiten schicken, damit es sich vermehrt.
  • Die Sachen können, während du sie einlagerst, von anderen Menschen genutzt werden, statt ungenutzt bei dir herumzuliegen. Dadurch müssen weniger neue Sachen hergestellt werden – das schont die Ressourcen unseres Planeten und alle Beteiligten sparen Geld.
  • Gerade technische Geräte wie Computer oder Autos erleiden über die Zeit einen immensen Wertverlust, selbst wenn sie überhaupt nicht genutzt werden. Lagerst du deine Sachen in der Stuff-Cloud ein, musst du diesen Wertverlust nicht mehr selbst tragen – der neue Besitzer bezahlt dafür.

Die Stuff-Cloud ist ein ungeheuer nützliches Werkzeug und ich nutze sie mittlerweile für fast alle meine Dinge. So hatte ich etwa eine E-Gitarre, die ich ziemlich selten benutzte, da ich immer nur auf meiner Akustik-Gitarre spiele. Klar kann es sein, dass ich irgendwann doch noch einmal Lust bekomme, richtig mit der E-Gitarre loszulegen. Bis dahin lagert die Gitarre aber in der Stuff-Cloud: Über eBay Kleinanzeigen fand sich schnell ein Interessent und für 80 € wechselte das Instrument den Besitzer. Falls es mich irgendwann doch wieder in den Fingern jucken sollte, kaufe ich einfach eine gebrauchte Gitarre von dort wieder. Falls nicht, behalte ich die 80 € und muss nichts weiter tun.
Während meines Studiums hatte ich mir zwei große Computerbildschirme gekauft, um besser programmieren und Webseiten erstellen zu können. In meiner augenblicklichen Situation nützten mir diese aber nichts: In unserem Zimmer in England ist kein Platz dafür – und neben meinem Job arbeite ich sowieso kaum an großen Projekten, für die sich zwei so große Bildschirme lohnen würden. Also wanderten sie in die Stuff-Cloud und im Gegenzug 200 € in mein Investment-Depot. Falls ich in zwei oder drei Jahren wieder Bildschirme brauchen sollte, kriege ich für dieses Geld wahrscheinlich schon zwei doppelt so große Exemplare.

Mit der Stuff-Cloud gratis mieten

Das war aber noch längst nicht alles. Du kannst in der Stuff Cloud nicht nur Gegenstände einlagern, sondern sie auch dazu nutzen, Dinge sehr günstig oder sogar komplett kostenlos zu mieten.
Diesen Sommer haben Joana und ich einen Tandem-Urlaub in Cornwall gemacht, wofür wir – ihr ahnt es schon – ein Tandem benötigten. Tandem-Vermietungen gab es in unserer Gegend leider keine, und wenn dann hätte das Ausleihen eines Tandems für unsere 10-tägige Tour vermutlich zwischen 150 und 200 Euro gekostet. Ich hatte da eine bessere Idee. Ich griff einfach in die Stuff-Cloud und ersteigerte für 180 £ ein Tandem auf eBay. Der Verkäufer wohnte in der Nähe, so dass wir das Gefährt einfach mit dem Auto abholen konnten.
Wir machten unsere knapp 190 Kilometer lange Tour durch Cornwall – und ein paar Wochen später putzte ich das Rad, machte ein paar Fotos davon und stellte es wieder bei eBay zum Verkauf ein. Nach vier Tage war das Rad verkauft – für genau die gleichen 180 £, die ich dafür bezahlt hatte. Wir hatten das Rad also quasi gratis gemietet. Auf die gleiche Art ersteigerte ich auch zwei gebrauchte Fahrradtaschen, die ich jetzt allerdings noch weiter zum Einkaufen nutze. Wenn ich sie irgendwann nicht mehr brauchen sollte, wandern sie einfach wieder zurück in die Cloud.

Wenn man dieses Prinzip nun weiter denkt, kommt man zu folgender Erkenntnis: So gut wie alles was ich besitze, ist quasi nur vorübergehend aus der Stuff-Cloud gemietet. Ich kaufe die Dinge bevorzugt gebraucht, behalte sie solange ich sie benutze und verkaufe sie wieder, wenn ich sie nicht mehr brauche. Damit bezahle ich im Endeffekt niemals (nicht einmal annährend!) den Neupreis für irgendetwas, sondern höchstens eine geringe Nutzungsgebühr, wenn der Gegenstand während der Nutzung an Wert verliert oder sich abnutzt und nur für einen geringeren Preis wieder verkauft werden kann.

Die meisten Menschen kaufen sich Dinge neu und für viel Geld bei Amazon oder im Shopping-Center und lassen sie dann oft jahrzehntelang bei sich herumliegen. Während sie ihre gesamte Wohnung mit Krempel zustopfen, von dem sie denken ihn „vielleicht noch einmal gebrauchen zu können“, lagere ich einfach alles, was ich nicht brauche, in der Stuff-Cloud ein. Die wenigen verblieben Dinge, die ich momentan benötige, „miete“ ich einfach kostengünstig aus der Cloud.
Dieses Vorgehen hat unglaubliche Auswirkungen: Da ich alles Ungenutzte verkaufe, besitze ich deutlich weniger – vielleicht noch ein paar hundert Gegenstände. Ich trage dadurch weniger Ballast mit mir herum, komme mit weniger Wohnraum aus und habe mehr Platz für das Wesentliche. Während bei vielen Menschen der Posten für langlebige Konsumgüter einen erheblichen Teil der monatlichen Ausgaben ausmacht, ist dieser aus meinen Ausgaben fast vollständig verschwunden. Ich gebe so gut wie kein Geld mehr für irgendwelche Dinge aus und kann trotzdem jederzeit alles haben, was ich möchte.

Die Stuff Cloud ist darum eines meiner wichtigsten Hilfsmittel für ein frugalistisches, kostengünstiges aber glückliches Leben. Auch du solltest lernen, sie zu lieben und zu nutzen: Werde deinen Krempel los, lerne wie du deine Sachen clever auf eBay verkaufst und miete das, was du gerade brauchst, nach Möglichkeit aus der Cloud.

34 thoughts on “Verkaufen, einlagern, gratis mieten: Reicher leben mit der Stuff-Cloud

  1. Wie immer sehr guter Artikel. Ich antizipiere gleich mal einen möglichen Einwand und zeige die elegante Lösung dazu auf:

    „Was ist mit meinem Krempel mit Erinnerungswert? / Manche Sachen haben für mich einen persönlichen Wert.“

    Wenn es sich um kleine Gegenstände wie vielleicht ein Schmuckstück o.ä. handelt, würde ich sagen, dass man solche Sachen ruhig behalten kann.

    Für Sachen wie das 72-teilige Porzellanservice oder irgendwelche größeren Möbelstücke gibt es folgende Lösung: Man macht ein paar schöne Fotos, die man dann in der Daten-Cloud sicher aufbewahrt. Das originale Erbstück geht in die Stuff-Cloud und findet so eine neue Heimat, in der es artgerecht gehalten und auch wahrscheinlich verwendet und viel mehr wertgeschätzt wird. Die Sachen sind ja nicht aus der Welt; sie sind nur woanders. Und das ist alle Male besser, als ohne irgendwem einen Nutzen zu stiften irgendwo (im Weg) rumzustehen.

    • Hi Micha,

      super Vorgehensweise, genauso handhabe ich es auch!
      Das Praktische beim Erstellen von Erinnerungsfotos: Man hat gleich automatisch die Fotos für den Verkauf via eBay. 😉

  2. Hallo Oliver,

    ein wichtiger Aspekt ist meiner Meinung nach, dass auch nur Sachen gekauft werden, die auch wirklich benötigt werden. Viele Menschen haben bereits verstanden, dass viel Geld gespart werden kann, wenn die Sachen gebraucht anstatt neu gekauft werden. Das Problem ist, dass viele Dinge gebraucht kaufen, weil sie so günstig seien und weil so viel dabei gespart werden würde. Das ist bei vielen Menschen das viel größere Problem, da sich so immer mehr Zuhause ansammelt, weil die Sachen ja so günstig waren.

    Sonst finde ich das eine gute Idee und nutze es selbst regelmäßig. Mittlerweile überlege ich mir vor jeder Anschaffung von Gebrauchsgütern ganz genau, wie sehr ich dieses Gut genau nutzen werde und ob es nicht eine andere Möglichkeit gibt die Sache kostengünstig zu nutzen.

    Schöne Grüße

    Dominik

    • Hi Dominik,

      das ist wohl die Grundvoraussetzung, dass man die Stuff-Cloud nicht dazu missbraucht, einfach nur mehr Krempel zu kaufen. Das richtige Mindset wird für eine korrekte Anwendung also vorausgesetzt 🙂
      Wie die Erfahrung zeigt, tendieren wir Menschen ja sehr leicht zum „Rebound-Effekt“. Deshalb schlucken heutige Kühlschränke immer noch genauso viel Strom wie die vor 50 Jahren, obwohl sie viel effizienter (aber gleichzeitig eben auch größer) geworden sind. Und deshalb haben wir die Errungenschaften der industriellen Revolution, nämlich die günstige Massenproduktion von Dingen des täglichen Bedarfs, auch nicht dazu genutzt, einfach schnell das zu produzieren was wir brauchen und dann am Montag um 11 Uhr vormittags „Feierabend“ zu rufen, sondern um einfach immer mehr zu produzieren und zu konsumieren.
      Erst wenn man sich bewusst ist, was eigentlich genug ist, kann man von den Effizienzvorteilen der Stuff Cloud, von effizienteren Kühlschränken oder der industriellen Produktion richtig profitieren.

  3. Tolle Idee! Vor allem ist es effektiver, wenn 20 Leute die gleiche Sache nutzen können als da jeder eins für sich im Keller stehen hat. Bei ebay kleinanzeigen nervt mich ein wenig die Unzuverlässigkeit der Leute. Als ich auf Fahrradsuche war, wurde alles „fast wie neu“ angepriesen, um Räder vorzufinden, die ewig und 3 Tage der Witterung ausgesetzt waren und sich quasi schon auflösten. Letztens habe ich einen Filter für Staubsauger verschenkt, der bei mir sein Kellerdasein fristete und selbst da: Die Leute zeigen Interesse und wollen es haben, aber melden sich dann nicht mehr. Verschicken würde ich zudem auch nur in Ausnahmefällen etwas. Einpacken, zur Post gehen.. total unnötig für alle Seiten, weswegen ich ebay nur im 5-10km Radius nutze.

    Ich versuche unbenutzte Dinge am liebsten in der Familie und im Freundeskreis loszuwerden. Dabei ist Verschenken für mich am unkompliziertesten. Im Gegenzug freue ich mich auch, wenn ich irgendwas Gebrauchtes von anderen bekomme.

    An sich kann ich von dir aber noch viel lernen. Ich habe meinen Spaß daran, immer mal in unserer Wohnung ein paar Sachen unter die Lupe zu nehmen und ihre Existenz infrage zu stellen. Wobei die meisten Sachen, zugegeben, am Ende dann doch bleiben dürfen (verschiedene Koffer, Kleiderbügel, alte DVDs, alte Bücher). Da habe ich ein gewisses Bedürfnis nach Besitz, weil ich mich gerne im Raum umschaue und gewohnte Dinge sehe.

    • Hi Jenny,

      deine Erfahrungen mit eBay Kleinanzeigen habe ich auch schon gemacht. Viele Interessenten tauchen einfach gar nicht auf (sogar wenn man einen Termin vereinbart hat).
      Bei Käufen hatte ich bisher aber noch keine Probleme (auch wenn ich über Kleinanzeigen zugegebenermaßen noch nicht viel gekauft habe).

      Das Einpacken und Verschicken bei eBay-Verkäufen ist tatsächlich ein bisschen Mehraufwand. Bietet aber den Vorteil, dass man so auch speziellere Dinge los wird, für die es in 5-10 km Umkreis garantiert keinen Interessenten gibt, aber vielleicht zufällig am anderen Ende Deutschlands – oder sogar Europas! Neulich erst habe ich eine schwedische Laptop-Tastatur bei eBay verkauft (mein Laptop kam erst fälschlicherweise mit dieser geliefert und der Händler schickte mir später Ersatz, so dass ich die erste übrig hatte). Die ging dann an einen jungen Herrn nach Göteborg. :). Da es hier in England nicht den größten Bedarf nach schwedischen Tastaturen gibt, hatte ich sie zu einem vergleichsweise niedrigen Preis eingestellt, so dass sich die Versandkosten nach Schweden für den Käufer rechneten.

  4. Ich tausche gerne Sachen mit meiner Familie oder Freunden.
    Meine Mutter bekommt oft Duschsachen und Tees geschenkt, die ich dann bekomme.
    Dafür bringe ich ihr Sachen mit, die ich nicht brauchen kann oder Gratis geschenkt bekomme. Letzten bekam ich diverse Päckchen mit Katzenfutter bei einer Werbeaktion.
    Die Katze meiner Mutter hat sich gefreut.
    Fehlkäufe geben wir im Freundeskreis einfach weiter, es findet sich fast immer eine Abnehmerin. 😀
    Bücher kaufe ich fasts gar nicht mehr, sondern leihe sie mir in der Stadtbibliothek.
    Bei Ebay gibt es ja auch zudem eine große Auswahl.

    Ab heute starte ich ein neues Projekt.
    Ich notiere jeden Tag was ich für mein selbstgekochtes Essen bezahlt habe und zieh nach ca. 1 Monat (oder länger) ein Resümee.
    Damit möchte ich dem Argument gegenwirken, dass es teuer sei gesund und kostengünstig selbst zu kochen.

    • Hi frugal diva,
      Dinge mit Verwandten und Freunden zu tauschen (oder sich gegenseitig auszuleihen) ist auch klasse! Für unsere Tandem-Tour hatten wir zum Beiepiel einen Fahrradhelm für Joana von unserem Vermieter geliehen.
      Auf dein Essens-Projekt bin ich schon sehr gespannt! 🙂

      • Auf das Essensprojekt der Frugal Diva bin ich auch mehr als gespannt, ich bin ziemlich sicher das klappt, ich denke allerdings es braucht schon ein wenig Planung und man muss wissen wo was gerade günstig ist,
        ich habe in letzter Zeit Asia-Läden abgeklappert und musste feststellen dass die Sachen dort leider doch nicht so preiswert sind, oder wenn dann nur einzelne Artikel und dafür der Weg fast nicht lohnt. Für Singles noch ein wenig schwieriger, wollte heute Dürum wraps beim Türken kaufen, nur als Riesenpack und noch teuer, ob man das selber herstellen kann? Braucht schon ein wenig Initiative und Hirnschmalz damit man kostengünstig und gut Essen kann.
        @Frugal Diva,
        schöner blog, werd ich weiter verfolgen! bitte noch mehr Rezepte einstellen 🙂

      • Ja, Planung ist bei möglichst günstigem Essen denke ich das A und O.
        Bei Asia-Läden gibt es auch eine Menge Sachen, bei denen man gar nicht weiß, was es eigentlich ist 😀
        Ich kaufe in diesen Läden vor allem sehr günstig Zutaten für meine indischen Gerichte: Linsen, Kidney-Bohnen und sämtliche Gewürze. Alles viel billiger als im Supermarkt (alleine schon dank der größeren Packungsgrößen). Der Vorteil ist dabei auch noch, das das alles sehr langlebige Sachen sind und man dann leicht auf Vorrat einkaufen kann.

  5. Der Begriff einer „Stuff Cloud“ ist mir so noch nicht unter gekommen. 🙂

    Trotzdem ist das natürlich ein richtiges Konzept. Praktiziere ich auch schon immer so (wenn auch nicht unter diesem Namen). Dinge, welche ich nicht benötige, werden verkauft, verschenkt und zur Not auch entsorgt. Meine Annahme ist wie Deine: kann ich mir zur Not schnell wieder besorgen.

    Ich kann mich nur an wenige Dinge erinnern, welche ich mir tatsächlich nochmal besorgen musste.

    Trotzdem ist meine Priorität es gar nicht erst so weit kommen zu lassen und nur Dinge zu erwerben, welche ich auch dauerhaft benötige und einsetzen werde. Klappt nicht immer.

    Beim Kauf und Verkauf entstehen gewisse Reibungsverluste. Für gebrauchte Geräte gibts generell weniger, eBay und Co. wollen auch Gebühren, Versandkosten sind ebenfalls weg.

    Natürlich ist es auch ein Aufwand Dinge wieder zu verkaufen. Dies ist oft ein gewichtiger Grund, welchen ich oft höre, Dinge lieber auf den Dachboden zu bringen, als auf eBay reinzustellen. Der Artikel muss fotografiert, reingestellt, verpackt und verschickt werden. Mit etwas Pech hat man dann auch noch Ärger, wenn der Käufer meint, dass das Produkt doch nicht ganz den Vorstellungen entspricht.

    Nehme ich aber alles in Kauf. Auch wenn es nur wenige Euro bringt. Ich finde dies immer noch besser als etwas wegzuwerfen. Immerhin wird der Gegenstand dann noch benutzt und dies entlastet am Ende auch die Umwelt.

    Von daher absolut richtiger Ansatz. Ein paar Ausnahmen habe ich aber trotzdem, z.B. der zweite Computer ist bei mir Standard. Ich habe keinen Bock auf tagelange Ausfallzeiten bis alles wieder läuft. Aber dies wie immer, muss jeder für sich selbst ausmachen.

    Gruß
    Fuseboroto

    • Hi Fuseboroto,

      ich sehe es ganz genauso wie du 🙂

      „Beim Kauf und Verkauf entstehen gewisse Reibungsverluste. Für gebrauchte Geräte gibts generell weniger, eBay und Co. wollen auch Gebühren, Versandkosten sind ebenfalls weg.“

      Das stimmt total, gerade die Versandkosten und die eBay-Gebühren (10%) fallen ganz schön ins Gewicht. Ich habe da mittlerweile aber ein paar Strategien, um diesen Effekt abzumildern. Bei eBay kaufe ich zum Beispiel gerne aus Auktionen, verkaufe aber grundsätzlich nur als Sofortkauf-Angebot. Dadurch erziele ich im Regelfall schon einen höheren Verkaufspreis, da es quasi eine „Sofortkauf-Prämie“ gibt, d.h. bei Sofortkauf-Angeboten sind die Käufer typischerweise mehr zu zahlen bereit als bei Auktionen. Außerdem stellen viele Verkäufer ihre Artikel mit schlechten Fotos und dürftigen Beschreibungen ein. Ich mache immer gute Fotos und ausführliche Beschreibungen, was auch nochmal einen höheren Verkaufspreis ermöglicht.
      Das Tandem hatte ich zum Beispiel für 180 Pfund in einer Auktion ersteigert. Es gab zwei Fotos (auf denen kaum Details erkennbar waren), die Reifen waren platt und im (ziemlich kurzen) Text stand „braucht möglicherweise neue Reifen und Schläuche“. Nun, die Reifen waren OK und mussten nur aufgepumpt werden. Beim Verkauf habe ich 12 hochaufgelöste Fotos eingestellt und eine ausführliche Beschreibung inkl. der wichtigsten technischen Daten und Maße. Verkauft habe ich es an den erstbesten Preisvorschlag für 200 Pfund. Abzüglich der 10% eBay-Gebühren war ich dann netto wieder bei den 180 Pfund, die ich bezahlt hatte. Hätte ich etwas gewartet, hätte wahrscheinlich auch noch jemand 220 Pfund dafür bezahlt.

      „Ein paar Ausnahmen habe ich aber trotzdem, z.B. der zweite Computer ist bei mir Standard. Ich habe keinen Bock auf tagelange Ausfallzeiten bis alles wieder läuft.“

      Ja, für diesen Fall habe ich auch immer gerne noch eine Ersatzmöglichkeit. Aber: Während meiner Studentenzeit hatte ich immer Zugriff auf diverse Uni-Computer, die ich bei einem Ausfall meines Privat-Geräts hätte nutzen können. Jetzt habe ich von meiner Firma ein Arbeitsgerät, dass ich auch privat nutzen kann, wenn ich möchte. Im Notfall könnte ich mir sogar mit Joana ihren Rechner für ein paar Tage teilen, bis ich einen neuen habe. Es gäbe für mich also immer genug „externe“ Ausweichmöglichkeiten, so dass ich keinen eigenen Ersatzcomputer vorhalten muss.

  6. Damit die Diskussion nicht nur auf die Optimierung des Nutzens runtergekocht wird – yours truly hatte sich vor kurzem in einem Essay Gedanken gemacht, warum das Loswerden von Dingen so anstrengend sein kann (english language ahead): https://medium.com/@chris.unkult/living-with-things-on-letting-go-47b9f4f285d4#.4zlufmny2

    Zum praktischen Aspekt noch eine Anmerkung: ein unschätzbarer Vorteil von der Stuff-Cloud ist in Berlin zu leben. Zum einen gibt es dort in unmittelbarer Nachbarschaft 3.300.000 Leute, die ebay Kleinanzeigen durchlesen. Zum anderen kann ich dort sehr günstig ab 2 Eur / Stunde einen Transporter von einer allpräsenten Autovermietung leihen. Der Preis für den Mietwagen schmälert anderenorts die Chance sperrige Dinge loszubekommen, wie ich soeben selbst feststelle. Vielleicht setzen sich auch künftig Sharing Dienste wie diese Mitfahrgelegenheit für Güter weiter durch.

    • Hi Chris,

      super Essay, das sehr schön die emotionale Seite des „Krempel Loswerdens“ beleuchtet! Im Gegensatz zum Kaufen ist das Verkaufen für die meisten wirklich eine eher unangenehme Tätigkeit.
      Ich habe den psychologischen Spieß mittlerweile einfach umgedreht: Für mich fühlt sich ein Verkauf besser an als ein Kauf. Ich gewinne Platz, habe weniger Zeug, die Kasse macht „CHING“ und jemand anderes kann den von mir nicht genutzten Gegenstand brauchen. Das ist meine Motivation.

      In einer Großstadt wie Berlin kann man wirklich vieles leichter gebraucht kaufen und verkaufen – vor allem Möbel. Gerade in Universitäts- und Studentenstädten, wo Leute mit wenig Geld ständig zu- und wegziehen. 😉 Damals in Bremen haben wir auch vieles vom Sperrmüll oder Kleinanzeigen besorgt. Bei kleineren Dinge, die man leicht per Post verschicken kann, macht es hingegen nicht so einen großen Unterschied, ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt.

  7. Wieder mal ein super Artikel.

    Allerdings funktioniert es am besten mit höherpreisigen Artikeln.

    Ich wollte letztens ein ridge Minicruiser Board kaufen. Die kosten bei Amazon gerade mal 25 Euro. Ein vernünftiges gebrauchtes habe ich nicht gefunden und mir daher doch mal wieder etwas neu gekauft.

    • Hi Finanzmixerin,

      ich würde gar nicht mal sagen, dass es unbedingt mit dem Preis zusammenhängt. Auch viele Sachen im Bereich von 1-10 € gehen bei eBay weg wie warme Semmeln.
      Ich glaube, es hängt mehr damit zusammen, wie austauschbar der Gegenstand ist und wie hoch allgemein Angebot und Nachfrage sind.

      Das Skateboard ist ein ganz interessantes Beispiel! Skateboard-Teile sind auch bei mir tatsächlich eine der wenigen Dinge, die ich so gut wie immer neu kaufe und fast nie aus der Cloud. Warum? Weil ich beim Skateboard genau meine Rollengröße und -härte, Deck- und Achsbreite und genau mein Lieblings-Shape (die Form und Biegung des Brettes) haben möchte. Das schränkt die Auswahl an möglichen Gebrauchtangeboten deutlich ein. Bei Fahrradtaschen ist mir die genaue Form und das Material dagegen ziemlich egal, Hauptsache es passt alles rein und die Taschen sind regendicht. Dadurch hat man eine breitere Auswahl.

      Es kommt also immer auf die spezifische Gegenstandskategorie an. Viele Dinge (wie z.B. Laptops, Fahrradtaschen, Klamotten und Schuhe, Möbel) sind sehr leicht und günstig gebraucht zu kaufen. Bei anderen sieht es dagegen eher schlecht aus. Bei wieder anderen sind Neu- und Gebrauchtpreis nahezu identisch, wie zum Beispiel bei SSD-Laufwerken (die superschnellen Computer-Festplatten). Da lohnt sich dann ein Gebrauchtkauf gar nicht mal.

  8. Ich bin ja eher der Minimalist, ich fühle mich mit allzuviel Kram einfach unwohl,
    wir haben hier demnächst Hol und Bringetag, da kann Jeder an einem Tag Sachen gratis hinbringen (sauber und funktionstüchtig natürlich), am nächsten Tag kann man dann hingehen und gratis was mitnehmen, diesmal hab ich es auf Bücher abgesehen, aber man muss schnell sein, ausgefuchste Händler fahren da früh vor und nehmen die besten Stücke mit um sie wiederzuverkaufen. Jahrelang hab ich da Zeugs hingetragen, aber diesmal hab ich kaum was,
    aber ich habe noch etwas was mir schon lange auf dem Magen liegt, ich habe vor meiner frugalen Zeit Trollbeads gesammelt und mächtig übertrieben, davon möchte ich mich nun so gerne trennen, leider sind solche Sachen nur noch mit grössten Verlusten zu verkaufen, wenn überhaupt und die ganze Sache ist sehr aufwändig, bei ebay bin ich nicht, aber ich muss mich da mal rantrauen, Oliver hat ja eine super Anleitung dazu geschrieben, mich graut trotzdem…
    Guter Tip, niemals was kaufen was Folgekosten hat!

    • Ich musste gerade erstmal googeln was genau Trollbeads eigentlich sind. 😉
      Ich würde dir raten, wenn du sie eigentlich nicht mehr haben willst: Verkaufen, verkaufen, verkaufen! Auch wenn sie mal viel Geld gekostet haben – das sind jetzt „Sunk costs“ (Versunkene Kosten). Wikipedia sagt dazu:

      „…zentrales Merkmal [der Sunk Costs] ist, dass sie in der Gegenwart und in der Zukunft nicht mehr beeinflusst werden können – daher die Bezeichnung „versunken“. Da versunkene Kosten unabhängig davon bestehen, welche Option ein Entscheidungsträger wählt, dürfen sie bei einer rationalen Entscheidung zwischen Handlungsalternativen keine Berücksichtigung finden.“

      Was du mal dafür bezahlt hast und wie viel du jetzt noch dafür kriegst, sollte also deine Entscheidung ob verkaufen ja oder nein nicht beeinflussen. Klar, wenn du sie verkaufst, realisierst du einen Verlust. Noch mehr verlierst du aber, wenn du sie nicht verkaufst (nämlich den entgangenen Verkaufserlös). Ich hatte auch einige solcher Verluste, als ich meine Sachen verkauft habe. Für die E-Gitarre hatte ich mal 200 € bezahlt, obwohl sie kaum gespielt war war sie gebraucht dann nur noch 80 € wert. Schade, aber so konnte ich den Verlust noch auf 200-80 = 120 € begrenzen.
      Vielleicht wäre das auch gleich eine gute Gelegenheit für dein eBay-Debüt. Du hättest ja sogar den Vorteil, dass du zu Inlands-Versandkosten in 2 Länder verschicken könntest. 🙂

      „Guter Tip, niemals was kaufen was Folgekosten hat!“
      Sehr guter Punkt. Genau dazu habe ich auch schon einen Artikel im Entwurfs-Stadium. Mal sehen wann es den gibt.

      • hi Oliver,
        die Dinger ärgern mich eigentlich nur noch, sie müssen weg, aber ich tonnenweise davon *schäm*, ein Teil zieh ich noch an, es geht mir auch gar nicht so sehr um den Geldverlust, aber ich weiss aus den diversen bead-foren wie mühselig es ist die Dinger wieder loszuwerden, aber ich werde jetzt in meinen Ferien einen Versuch starten, ich hab das schon zu lange aufgeschoben, Dein blog-Artikel hat mich wieder bös dran erinnert hi hi…

        und auf den Artikel im Entwurfs-Stadium bin ich dann um so mehr gespannt.

  9. Mit dem Verkaufen tue ich mich auch noch etwas schwer. Ich habe z.b. 2 Serien auf DVD gehabt und da lohnte der ganze Aufwand kaum. Aber es lohnte sich mehr als das Einsenden bei Rebuy, da hier auch Sachen abgelehnt werden und man noch weniger dafür bekommt. Ich habe mich auch geärgert wieviel ich mal bezahlt habe als sie rauskamen.

    Bei einigen wenigen Fehlkäufen wie zb einem iPhone 4 (gebraucht) war es aber sehr einträglich und macht Spaß.

    Ich habe mal 4 hochwertige Parfums von einer bekannten bekommen, die mir im Endeffekt nicht so gut gefielen, und da war ich überrascht wieviel die Leute für angebrochene Flaschen bezahlen.

    • Hallo ImmerAmRechnen,

      danke für dein Feedback, das hört man doch gerne!
      Ich gebe mir Mühe, dass du auch in Zukunft hier auf deine Kosten kommst. 🙂

      Viele Grüße

  10. Hallo Oliver!

    Ich lese seit ein paar Monaten deinen Blog. Bei manchen Dingen bin ich absolut deiner Meinung. Also unnütze Dinge vermeiden bzw. nicht kaufen, ungenutzte Sachen verkaufen, etc.
    Da ich selber in der IT-Branche tätig bin, muss ich dir allerdings bei der „Stuff-Cloud“ bzgl. IT-Komponenten widersprechen. Ich würde niemals einen gebrauchten RAM-Riegel kaufen (ohne Rückgaberecht), wenn ich um „fast“ das selbe Geld einen neuen mit 10 Jahre Garantie bekomme. Ähnliches gilt auch für andere Komponenten. Vor allem würde ich mir keinen gebrauchten Laptop bei Ebay kaufen.
    Ich benutze meine „Hardware“ sehr lange, und wenn ich mal etwas Besseres brauche (oder etwas kaputt wird), dann kaufe ich neu. Allerdings nicht die aktuellste, teuerste Ware, sondern einen adäquaten Ersatz der auch ein (paar) Jahr(e) alt sein kann. Teilweise bekommt man „Neuware“ zum selben Preis wie gebrauchte Ware bei Ebay. Man muss nur schauen.
    Grüße,
    Georg

    • Hi Georg,
      danke für deinen Kommentar. Freut mich, dass du hier zu den regelmäßigen Lesern gehörst! 🙂
      teilweise kann ich deine Kritik nachvollziehen – SSDs kaufe ich zum Beispiel auch meistens neu. Nichtt, weil ich Gebrauchten nicht über den Weg traue, sondern weil ich sie neu billiger bekomme als gebraucht. Die Gebrauchtpreise bei eBay bewegen sich sehr nahe an der Neuware und wenn man in einem Onlineshop z.B. mit einem Gutschein und versandkostenfrei bestellt, dann kann man diese leicht unterbieten. Es kommt also immer auf das genaue Produkt an. RAM-Riegel sind gebraucht zur Zeit immerhin rund 25% billiger als Neuware, wenn ich es richtig sehe.

      Nicht so ganz verstehe ich deinen Einwand, dass du generell keine gebrauchten RAM-Riegel oder Laptop kaufen würdest. Was ist daran falsch? Ich bin ebenfalls in der IT-Branche tätig (habe Medieninformatik studiert, arbeite haupt- und nebenberuflich als Software- und Webentwickler) und nutze seit über 11 Jahren erfolgreich Gebrauchtgeräte. Einen Gewährleistungsfall hatte ich dabei erst ein einziges Mal (bei meinem uralten Thinkpad X21 ging der Bildschirm flöten). Die Tatsache, dass ich mich mit Computern einigermaßen auskenne, würde ich eher gerade dazu benutzen, Gebrauchtgeräte zu kaufen. Dadurch kann ich auch mal etwas selbst reparieren oder ein Windows selbst neu aufsetzen.
      Ich bin der Meinung, dass die längeren Garantie- und Gewährleistungsfristen von Neuware sich langfristig nicht rechnen – bei Gebrauchten bleibt man eventuell mal auf einem Schadensfall sitzen, der sonst unter die Garantie fallen würde, zahlt dafür aber nur einen Bruchteil des Kaufpreises, womit das höhere Risiko deutlich überkompensiert wird. Kennst du die Badewannen-Kurve? (https://de.wikipedia.org/wiki/Ausfallverteilung). Das ist eine Statistik, die aussagt, dass Schadensfälle bei technischen Geräten häufiger am Anfang der Lebenszeit (also noch während der Garantiefrist, z.B. durch Fertigungsmängel) und ganz am Ende, also etwa nach 10-15 Jahren (durch Ermüdungserscheinungen) auftreten. Ein Graph, der auf der X-Achse das Alter des Gerätes abbildet auf der Y-Achse die Anzahl der Schadensfälle, nimmt also eine badewannenförmige U-Form an. Ich kaufe meine Technik am liebsten in der Mitte, also auf dem Boden der Badewanne und kann dadurch (zumindest statistisch) weniger Ausfälle erwarten als bei einem Neugerät. Auch ein RAM-Riegel ist mir erst einmal abgeschmiert (Neuware bei meinem Tower-PC). Die gebrauchten halten seit jeher durch.

      Wenn du Neuware zum gleichen Preis bekommst wie gebrauchte, ändert das natürlich die Rechnung. Da bin ich neugierig zu erfahren, wie du solche Ware am leichtesten findest? Hast du da vielleicht ein paar Tipps, die du mit uns teilen würdest?

  11. Hallo Oliver,

    Du hast eine sehr gute Illustration kreiert, Respekt! Auf so eine Betrachtungsweise muss man erst einmal kommen. Damit relativiert sich bei genauerer Überlegung einiges. Das regt durchaus zum nachdenken und nachahmen an.

    Ich möchte noch heraus stellen, dass man durch einen eventuellen (Zwischen)verkauf zwar Verlust macht, dadurch aber den Werteverfall abmindert. Um bei Deinem Beispiel mit der Gitarre zu bleiben: die 80€ für die Gitarre erscheint wenig, aber Du hast das Geld, anstatt ein verstaubtes Instrument in der Ecke stehen. Und wenn es Dich dann doch wieder in den Fingern juckt, wird die Gitarre bei einem eventuellen Wiederkauf sicherlich keine 80€, sondern vielleicht nur noch 50€ kosten. Wenn man denn überhaupt wieder eine kaufen möchte. Die Spanne zwischen den beiden Verkaufszeitpunkten im Werteverfall bleibt einem also erhalten, da die wenigsten Alltagsgegenstände Sammlerstatus erhalten und im Preis zu-, anstatt abnehmen werden.

    Beim Verkaufen kann die Überlegung übrigens helfen, wer denn überhaupt die Sache erwerben würde?! Anstatt die Gitarre also bei eBay einzustellen, kann man auch einen Zettel an das schwarze Brett der örtlichen Musikschule hängen und es mit einem Verkaufspreis von 100€ versuchen. Die Nachfrage wird dort sicherlich höher sein, als wenn man sie auf der anderen Seite mit zum Flohmarkt nimmt. Da würde man eventuell nur 40€ bekommen, wenn überhaupt.

    Mittlerweile gibt es ja quasi für jeden Bereich Foren oder spezielle Seiten, um potenzielle Käufer und Interessenten direkt ansprechen zu können, anstatt z.B. bei eBay darauf zu hoffen, dass einer von ihnen genau in der einen Woche die Auktion entdeckt. Das macht natürlich nicht bei jedem Artikel Sinn. Aber z.B. ein Dachträger für einen BWM oder ein Objektiv für Kamera XY könnte man vielleicht erst in einem entsprechenden Forum anbieten, bevor es auf eBay landet.

    • Hi lubo,
      vielen Dank! 🙂

      Genau, das mit dem Wertverlust meinte ich hiermit:
      „Gerade technische Geräte wie Computer oder Autos erleiden über die Zeit einen immensen Wertverlust, selbst wenn sie überhaupt nicht genutzt werden. Lagerst du deine Sachen in der Stuff-Cloud ein, musst du diesen Wertverlust nicht mehr selbst tragen – der neue Besitzer bezahlt dafür.“

      Mit dem „Zwischenverkauf“ setze ich den Wertverlust quasi aus und drücke ihm dem Käufer aufs Auge. Wenn ich das Gerät dann später „zurück kaufe“, bezahle ich den wertverminderten Preis – oder kriege für den gleichen Preis wieder ein moderneres Gerät.

      Der Punkt mit der Musikschule oder den Spezial-Foren ist richtig, gute Ergänzung! Ich kenne zum Beispiel das Thinkpad-Forum, wo gebrauchte Thinkpads (häufig auch mit interessanten nutzerseitigen Modifikationen) über den Foren-Marktplatz verkauft werden. Da spart man sich im Gegensatz zu eBay die Gebühren und hat gleich die richtige Zielgruppe am Start.

  12. @lubo unterwegs,

    genau, Foren sind für speziellen Kram auch sehr gut, ich habe jetzt in den letzten beiden Tagen Silberschmuckperlen für 340 CHF verkaufen können, einzige Gefahr… wieder Kram zu sehen der Einem gefällt und den man vom Erlös glatt kaufen könnte, und weitere Gefahr, wieder auf alte Bekannte zu treffen die so froh sind wenn man sich wieder blicken lässt…mäh… mäh….nur verkaufen und dann nix wie weg *lach*, PM-Funktion abschalten…,
    diese Woche werde ich bei ebay ein Konto eröffnen, hoffentlich bin ich da nicht zu dumm für…, die frugale Lebensweise ist mir irgendwie in Fleisch und Blut übergegangen, ohne Probleme, jetzt muss ich mal Stufe 2 der Rakete zünden und was verticken..auf Lohnerhöhung kann ich nicht mehr spekulieren.

    @Oliver, Dein blog ist Gold wert!!!!

  13. So Oli, ich habe eigentlich einen langen Kommentar geschrieben und dann ist es irgendwie (zusammen mit meine Internetverbindung) verschwunden. Dann habe ich einfach ein post dazugeschrieben und dein „stuff-cloud“ Begriff ausgeliehen weil’s super ist.
    Ich habe die Idee ein wenig weitergedacht, bzw in eine andere Richtung gedreht und freue mich auf eure Kommentare mit Ideen das Ding weiterzuentwickeln.
    Gleichzeitig ist das eine Soziale-Geschäftsidee für Dich oder für irgend jemand anderen.

    Bitte schön:
    http://whatlifecouldbe.eu/2016/09/08/stuff-cloud/

  14. Das funktioniert aber auch nur solange, wie jemand deine Sachen haben möchte. Wir hatten es schon öfter, dass wir Dinge verkaufen wollten, auf die sich einfach niemand meldete. Was dann? Oder umgekehrt: Der Artikel, den du haben möchtest, wird gerade nicht angeboten. Bei mir in der Umgebung wird zB genau ein Tandem für 350 Euro angeboten.

    • Hi Lisa,
      danke für deinen Kommentar! Es stimmt, es ist nicht immer ganz leicht, Dinge gebraucht zu kaufen und zu verkaufen. Es hängt vor allem von dem genauen Gegenstand und dem eigenen Wohnort ab. Kleinere Gegenstände kann man über eBay deutschlandweit handeln, das ist schön einfach und das Angebot ist groß. Bei größeren Objekten wie Möbeln, Küchengeräten oder Fahrrädern kommen hingegen fast nur Käufer aus dem Umkreis in Frage, für die sich die Anfahrt lohnt.
      Ich habe aber auch schon Sachen verkauft, für die es lange Zeit keinen Interessenten gab. Manchmal ist ein Gegenstand natürlich einfach wertlos, da hilft dann höchstens noch ihn zu verschenken. Manches ist aber auch einfach nur sehr speziell und wird nicht oft von anderen gesucht. Ich probiere es da erstmal mit Geduld. Wenn man das Angebot einfach permanent am Markt hält und es irgendwann auch nur einen einzigen Interessenten gibt, dann findet er oder sie dein Angebot. Ich habe einmal eine CD von einer unbekannten Band verkauft, die ich ein Jahr lang immer wieder und wieder bei eBay eingestellt hatte. Irgendwann kam dann ein Käufer vorbei.
      Wenn es für einen gesuchten Gegenstand kein passendes Angebot gibt, dann kaufe ich den Gegenstand einfach neu – und stelle ihn danach in die Stuff-Cloud ein.
      Ich hoffe auch, dass sich in der Zukunft mehr Leute fürs Gebraucht kaufen und verkaufen begeistern. Je mehr Menschen sich an der Stuff-Cloud beteiligen, desto liquider wird der Markt und desto besser funktioniert die Cloud.

  15. Pingback: www.etf-sparen.net

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