Die 752- und 173-Regel

Die 752- und die 173-Regel: Wie viel kosten dich deine Gewohnheiten?

Stafford ist nur eine kleine mittelenglische Stadt mit gerade einmal 60.000 Einwohnern, liegt aber genau auf dem Schnittpunkt der drei großen Eisenbahnstrecken nach London, Birmingham und Manchester. Entsprechend groß ist das Gedränge am örtlichen Bahnhof, wenn morgens und am frühen Abend tausende von Pendlern mit dem Zug  zu ihren Arbeitsplätzen und wieder zurück nach Hause fahren wollen.

Als ich noch täglich zur morgendlichen Rush Hour in Stafford umsteigen musste, wurde ich dabei jedes Mal Zeuge eines interessanten Schauspiels. Direkt am Bahnsteig von Gleis 1 steht eine kleine Imbiss- und Kaffeebar, an dem man jeden Morgen genau dieselben Leuten beobachten konnte, die sie sich auf dem Weg zur Arbeit einen kleinen Pappbecher mit Coffee-to-go genehmigten.
Irgendwann schaute ich mir aus reiner Neugier einmal an, wie viel so ein stinknormaler Kaffee denn dort eigentlich kostete: 2,55 britische Pfund, umgerechnet also rund 3 Euro.
In meinem Kopf fing ich gleich an zu rechnen: je 3 Euro an fünf Arbeitstagen die Woche, das sind schon 15 Euro für Kaffee in der Woche – oder über 60 Euro im Monat. Für lediglich einen Minibecher Kaffee am Tag schon eine stolze Summe, fand ich. Würdest du für 59,99 € im Monat ein „Kaffee-Abo“ abschließen, bei dem du immer werktags einen Becher Kaffee täglich bekommst?

Zugegeben, für jemanden, der vielleicht 2.000 € oder 2.500 € im Monat verdient, hört sich das noch nicht nach besonders viel Geld an. Ich überlegte also weiter: Wenn man dieses Geld, anstatt es für Kaffee auszugeben, lieber sparen und in ein Investment-Portfolio stecken würde, wie viel mehr Geld hätte man nach 10 Jahren im Vergleich zum täglichen Kaffee-Genießer?
Zum Glück musste ich dafür gar nicht wild herumrechnen. Denn ich erinnerte mich an zwei praktische Faustformeln, die in der Finanz-Community als die 752- und die 173-Regel bekannt sind. Diese Regeln funktionieren so:

  • Multipliziere eine wiederkehrende wöchentliche Ausgabe mit der Zahl 752, und du weißt, wie viel Geld du nach 10 Jahren hättest, wenn du das Geld stattdessen gespart und angelegt hättest.
  • Eine monatliche wiederkehrende Ausgabe multiplizierst du dafür mit der Zahl 173.

Die wöchentlich 15 € für den Coffee-to-go summieren sich nach 10 Jahren also zu 15 € × 752 = 11.280 €. Dafür muss selbst der gut verdienende Kaffeetrinker ein paar Monate seines Lebens arbeiten gehen.

Wie kommen die 752- und die 173-Regel zustande?

Die 752- und die 173-Regel sind natürlich keine exakten Formeln, sondern lediglich Faustregeln, mit denen ich grob abschätzen kann, wie viel mich eine wiederkehrende, regelmäßige Ausgabe über einen Zeitraum von 10 Jahren kostet.

Dafür werden ein paar vereinfachende Annahmen getroffen. Nehmen wir an, du packst das gesparte Geld am Ende der Woche (bzw. am Ende des Monats) in ein Aktien-Portfolio, das jährlich eine Rendite von genau 7 Prozent erwirtschaftet. 7 Prozent – das ist in etwa die durchschnittliche Netto-Rendite des amerikanischen Aktienmarktes der letzten hundert Jahre. Nach zehn Jahren beträgt der Wert deines Portfolios dann genau das 752-fache (bzw. das 173-fache) deiner wöchentlichen oder monatlichen Ausgabe. Diese Summe hättest du also weniger, wenn du das Geld stattdessen ausgegeben hättest.
Natürlich liegt die Rendite des Aktienmarktes niemals konstant bei 7 Prozent. Du musst möglicherweise Steuern und Transaktionskosten zahlen und bekommst deswegen selten die (amerikanische) Netto-Rendite. Und nicht zuletzt kenne ich kaum jemanden, der wirklich immer monatlich oder sogar wöchentlich in sein Aktiendepot investiert, die meisten tun das doch eher alle paar Monate. Die Annahmen entsprechen also logischerweise nicht der Realität, was der Nützlichkeit der 752- und der 173-Regel aber keinen Abbruch tut. Es ist eben nur eine grobe Abschätzung. Warum diese Regeln trotzdem ungeheuer praktisch sind: Du musst dir einfach nur diese beiden Zahlen merken und kannst zukünftig bei allen wiederkehrenden Ausgaben blitzschnell überschlagen, wie viel dich deine Angewohnheiten auf lange Sicht ungefähr kosten.

Die Macht der Gewohnheit

Regelmäßige wöchentliche oder monatliche Ausgaben kommen nicht von Impulskäufen, größeren Anschaffungen oder ungeplanten Ausgaben. Es sind die Produkte und Dienstleistungen, die du permanent oder regelmäßig in Anspruch nimmst: Deine Wohnungsmiete, TV- und Zeitschriften-Abonnements, Handyverträge, Versicherungen, der morgendliche Kaffee (oder sogar das belegte Brötchen) beim Bäcker, der Restaurantbesuch jeden Samstagabend. Viele dieser Ausgaben hinterfragst du vielleicht gar nicht mehr und überlegst auch nicht jedes Mal von neuem, ob du dafür Geld ausgeben möchtest. Sie laufen auf Autopilot und sind damit zu deiner Gewohnheit geworden. Das macht diese Ausgaben einerseits gefährlich, weil eine (aus finanzieller Sicht) schlechte Angewohnheit dir jeden Monat und jede Woche aufs Neue das Geld aus der Tasche zieht. Auf der anderen Seite ist dafür auch das Sparpotential enorm. Denn jede noch so kleine Optimierung spart immer wieder erneut den gesparten Betrag ein. Gibst du in der Woche nur 1 € weniger für irgendetwas aus, hast du nach 10 Jahren 752 € mehr auf deinem Konto.

Um das ganze ein bisschen konkreter zu machen, knöpfen wir uns mal fünf typische Gewohnheits-Ausgaben vor, wie sie bei einem deutschen Durchschnittsbürger vorkommen könnten:

(1.) Täglich werktags einen Coffee to go beim Bäcker
Ausgaben: 3,00 € pro Kaffee, 15 € pro Woche.
Nach 10 Jahren: 11.280 €

(2.) …dazu ein belegtes Brötchen:
Kosten: 1,50 € pro Stück, 7,50 € pro Woche
Nach 10 Jahren: 5.640 €

(3.) Ein Zeitschriften-Abo:
Kosten: 4,99 € im Monat
Nach 10 Jahren: 863 €

(4.) Der Handyvertrag (Allnet Flatrate mit dem neusten Smartphone)
Kosten: 44,99 € im Monat
Nach 10 Jahren: 7.783 €

5.) Jeden Samstag im Restaurant Essen gehen
Kosten: 20 € pro Besuch
Nach 10 Jahren: 15.040 €

Gesamtsumme nach 10 Jahren: 40.606 €.
Im Klartext: Diese fünf recht unscheinbaren Gewohnheits-Ausgaben haben dich nach 10 Jahren über 40.000 € gekostet. Ziehst du diese Angewohnheiten sogar 25 Jahre lang durch, sind es schon 180.000 €. Davon hättest du ein Haus kaufen können.

Holla die Waldfee, das ist eine ganz schöne Stange Geld! Es macht also ganz offensichtlich Sinn, diese Gewohnheiten einmal zu hinterfragen: Bekomme ich das Maximum an Zufriedenheit und Lebensglück für mein eingesetztes Geld? Ist der Autopilot richtig programmiert oder setze ich mein Geld ineffizient ein? Wie könnte ich meine Gewohnheiten „umprogrammieren“ und meine Ausgaben deutlich reduzieren, ohne ein Gefühl des Verzichts zu spüren?
Hier sind ein paar Ideen zur Optimierung:

(1.) Statt dem täglichen Coffee-to-go besorgst du dir für 10 € einmalig einen Thermobecher und brühst deinen Lieblingskaffee künftig selbst auf. (Das geht vermutlich sogar schneller, als an der Kaffee-Bar Schlange zu stehen.)
Kosten: Einmalig 10 € für den Becher, danach 10 Cent pro Tag für den Kaffee
Nach 10 Jahren: 386 € (statt 11.280 €)
Vielleicht könntest du auf den täglichen Kaffee auch gleich ganz verzichten? Besonders gesund soll er übermäßiger Kaffeegenuss ja  ohnehin nicht sein.

(2.) Statt fertig belegter Brötchen kaufst du dir normale Brötchen oder Brot und belegst diese selbst.
Kosten: 50 Cent pro Brötchen
Nach 10 Jahren: 1.880 € (statt 5.640 €)

(3.) Kündige das Zeitschriften-Abo. Verpasst du wirklich etwas, wenn du eine Zeitschrift mal nicht liest? Vielleicht kannst du die Zeit ja auch für etwas nutzen, was dir wichtiger ist und dich im Optimalfall nichts kostet. Ansonsten versuche es doch mal im Lesesaal der örtlichen Bibliothek, wo man viele Zeitschriften komplett gratis lesen kann. Oder du wartest, bis eine Ausgabe schon ein paar Monate alt ist und ersteigerst sie dir dann auf eBay, für einen Bruchteil des Preises.

(4.) Statt dem neusten Smartphone im Allnet-Vertrag besorgst du dir ein gebrauchtes Frugal-Phone für 60 € und dazu einen 9 €-Prepaid-Tarif, fertig.
Kosten: Einmalig 60 € für das Handy, 9 € im Monat
Nach 10 Jahren: 1.617 € (statt 7.783 €)

(5.) Statt jedes Wochenende Essen zu gehen, gehst du nur noch einmal im Monat – so bleibt es etwas Besonderes. An den anderen drei Wochenenden könntest du zum Beispiel lernen, dein Lieblings-Restaurant-Essen auch zu Hause nachzukochen.
Kosten: 20 € im Monat
Nach 10 Jahren: 3.460 € (statt 15.040 €)

Gesamtsumme nach 10 Jahren: 7.343 €  (statt 40.606 €)
Zack, so einfach kann man über 33.000 € sparen. Nach 25 Jahren machen diese fünf simplen Optimierungen schon über 150.000 € aus. Und vielleicht fallen dir ja noch mehr Möglichkeiten ein, diese Gewohnheits-Ausgaben zu reduzieren.

Auch bei der Wohnungsmiete können sich vermeintlich kleine Unterschiede auf lange Sicht zu enormen Summen aufschaukeln. Sollte ich lieber die 700 € teure Wohnung mieten, weil sie mir ein bisschen schöner vorkommt als die für 600 €? Was machen die 100 € mehr im Monat schon aus, denkst du vielleicht. Nach 10 Jahren eine Menge: An die vermeintlich schönere Wohnung habe ich mich dann vermutlich längst gewöhnt und es ist nichts Besonderes mehr. Die 17.300 €, die ich nach 10 Jahren mehr ausgegeben habe, fehlen aber auf meinem Konto.

Vermögen aufzubauen, finanziell unabhängig zu werden oder sogar mit 40 in Rente zu gehen ist kein geheimer Zaubertrick und kein Ding der Unmöglichkeit. Mehr als alles andere ist es eine Frage meiner Gewohnheiten. Ich gebe nicht alles aus, was ich verdiene, sondern gestalte meine Gewohnheiten und regelmäßigen Ausgaben so effizient wie möglich. Läuft mein „Ausgaben-Autopilot“ dann erstmal im Effizienz-Modus, ist am Ende der Woche oder des Monats plötzlich richtig viel Geld übrig. Wenn ich jede Woche 280 € meines Einkommens spare, dann liegen nach 10 Jahren über 200.000 € auf meinem Konto. Nach 25 Jahren bin ich bereits Millionär.

Gewohnheitsmäßige Ausgaben sind ein zweischneidiges Schwert: Sie können dir das Geld aus der Tasche saugen und sie können dich steinreich machen, wenn du sie richtig gestaltest und nur für das bezahlst, was du wirklich brauchst.
Mache dir diesen Effekt zunutze. Analysiere, was deine regelmäßigen Ausgaben sind und schreibe sie einmal auf. Dann überlegst dir für jede Ausgabe: Ist diese für meine Zufriedenheit im Leben wirklich wichtig? Wenn ja, dann versuche diese Ausgabe zu optimieren, also den gleichen Gegenwert mit geringerem Geldeinsatz zu erhalten (wie z.B. deinen Kaffee selbst zu brühen statt zu kaufen). Wenn dir eine Ausgabe keinen Nutzen bringt und für dein Lebensglück eigentlich unerheblich ist, streiche sie komplett.
Investiere das auf diese Weise gesparte Geld regelmäßig in dein Investment-Portfolio aus Aktien, Anleihen, Immobilien. Mache das zehn Jahre lang. Mit der 752- und der 173-Regel kannst du überschlagen, wie viel Geld du nach dieser Zeit ungefähr angespart hast. Was könntest du mit dieser Summe alles anstellen?

23 thoughts on “Die 752- und die 173-Regel: Wie viel kosten dich deine Gewohnheiten?

  1. Ein sehr guter Beitrag.
    Häufig wird bei den eigenen wiederkehrenden Ausgaben (wenn überhaupt) nur der monatlich abgebuchte Betrag berücksichtigt.
    So hören sich dann Ausgaben von 50€ pro Monat bei einem Monatsgehalt von beispielsweise 2000€ sehr wenig an. Trotzdem können durch Einsparungen in diesem Bereich langfristig sehr gute Ergebnisse erzielt werden.

    Man muss die Macht der Gewohnheit einfach für sich selbst nutzen und Gewohnheiten installieren, die den eigenen Finanzen zuträglich sind. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat keinen Kaffee unterwegs zu kaufen, kommt es einem ganz normal vor und es ist überhaupt kein Aufwand.

    Schöne Grüße
    Dominik

    • Danke Dominik!

      „Man muss die Macht der Gewohnheit einfach für sich selbst nutzen und Gewohnheiten installieren, die den eigenen Finanzen zuträglich sind.“

      Schön gesagt, besser hätte ich es gar nicht ausdrücken können! 🙂 Ich glaube, das ist auch DER Weg schlechthin, um mit geringen Ausgaben gut leben zu können und finanzielle Freiheit zu erreichen. Es ist wie wenn man auf einem Fluss fährt: Hat man kostenintensive Gewohnheiten, rudert man quasi ständig gegen die Strömung (seine Gewohnheiten) an und kommt nicht vorwärts. Hat man sich einen frugalistischen Lebensstil angewöhnt, lässt man sich einfach entspannt von genau der gleichen Strömung zum Ziel treiben, das Geld sammelt sich dann quasi von alleine an.

  2. Schöner Artikel!
    Seit einem Jahr sammel ich Belege für alles was ich kaufe und schreibe am Ende des Monats auf wie oft ich Geld für welches Gut ausgebe. Bei Zigaretten z.B. kneift es jedes mal zu sehen was dabei an Geld drauf geht. Das erste was abgeschafft wurde war tatsächlich der Kaffee vom Bäcker gegenüber der Berufsschule! Als nächstes wurde mir klar das ich ein echtes schlaraffen leben führe mit 1-2 mal die Woche essen bestellen (15€ pro Bestellung) das wurde direkt reduziert. Gewohnheiten ablegen empfinde ich als ziemlich schwer, immer wieder merke ich wie diese fiesen kleinen Geister sich einschleichen wollen. Aber der Kampf lohnt sich. Als Azubi hab ich eh schon ein winziges Gehalt und auf mein Auto kann ich nicht verzichten da bin ich schon stolz mittlerweile von ca. 550€ gut 200€ im Monat sparen zu können.
    Der geänderten Gewohnheiten sei dank.

    • Hi Miri,

      es ist wirklich so – die Natur hat uns mit diesen netten „Autopiloten“ ausgestattet, um uns den Alltag zu vereinfachen, aber er ist eben gar nicht immer so leicht umzuprogrammieren.
      Ich schreibe übrigens auch jede meiner Ausgaben (und Einnahmen) auf – seit mittlerweile 3 Jahren. So lassen sich die kleinen Geister zuverlässig aufspüren. Und auch umgekehrt: Bei einigen größeren Ausgaben denkt man sich „Mist, das war jetzt aber teuer“ und ärgert sich vielleicht. Am Jahresende stellt man dann aber fest, dass diese eine Ausgabe dann in der Gesamtsumme eigentlich weniger ausgemacht hat, als das aufsummierte Kleinvieh (Coffe-to-go und Co.).
      Echt toll übrigens, dass du trotz deines geringen Azubi-Gehalt noch soviel auf die hohe Kante legst! Da bleibt bei vielen Menschen selbst mit dem achtfachen Gehalt am Monatsende weniger übrig. Mach weiter so, ich bin mir sicher es wird sich eines Tages für dich bezahlt machen. 🙂

  3. Ein guter Beitrag.
    Leider trifft man meist auf taube Ohren wenn man mit anderen darüber spricht.
    Ich habe derzeit eine halbe (20 Std. die Woche) Stelle in einem Multiplex Kino. Viele meiner Kollegen bringen sich zu jeder Schicht eine Flasche Cola oder Wasser mit. Das macht selbst im günstigsten Fall jeweils 0,89€ für die Cola oder 0,19€ für das Wasser. Bei drei oder vier Schichten die Woche kommt schon eine irrsinnige Summe zusammen.
    Ich trinke fast nur Leitungswasser, koche mir einen Tee oder Kaffee oder bringe mir mit Wasser verdünnten Saft in meiner Siggflasche mit. Das wundert viele meiner Kollegen.

    Zum Thema Coffee To go ist auch die Abfallmenge ein großes Problem. Da kommt im laufe eines Jahres ein gewaltiger Müllberg zustande.

    • Hi frugaldiva,

      ein sehr schönes Beispiel! Das kenne ich auch noch aus meiner Studentenzeit, wo viele meiner Kommilitonen sich täglich (manchmal sogar mehrmals täglich) eine Cola oder ein anderes Getränk aus dem Automaten gezogen haben (da kostete eine Cola sogar schon 1,50 €).
      Kaum einer würde wohl groß über 19 Cent für eine Flasche Wasser nachdenken. Bei vier Schichten in der Woche sind das nach 10 Jahren aber auch schon 571 €. … für etwas, das kostenlos aus dem Wasserhahn kommt. Die Cola für 89 Cent summiert sich zu gewaltigen 2.600 €.
      Mir kommt darum auch nur Leitungswasser in die Tüte (bzw. in die Flasche), das schmeckt mir auch sowieso am besten.

      Das Müllproblem beim Coffee-to-go (und anderswo) sehe ich auch ziemlich kritisch. Gerade die häufig verwendeten Kaffeebecher aus Verbundwerkstoff (Pappe mit Kunststoff-Beschichtung) sind problematisch, weil sie überhaupt nicht recyclebar sind. Aber auch Becher aus Plastik machen es umweltbilanzmäßig nicht viel besser. In meiner Welt wären solche Dinge verboten… oder zumindest hoch besteuert. 😉

  4. Ein sehr durchschnittlicher Beitrag.
    Natürlich kann man Geld sparen, wenn man seine Gewohnheiten überdenkt.
    Aber es erreichen 80 % der Privatanleger die 7 % Rendite nicht mal kurzfristig, schon gar nicht langfristig.
    Im Übrigen kostet auch Wasser aus dem Wasserhahn etwas, bei uns waren das etwa 40 € den Kubikmeter. Und die Lebensmittel, die nicht im Restaurant verputzt werden, müssen auch selber gekauft werden…

    Der Mensch ist halt ein zu tiefst irrationales Wesen. Ist zwar nett gemeint, dass man die 3 € für den Kaffee sparen und anlegen kann, aber das wird niemand über 25 Jahre durchhalten. Es ist vollkommen ausreichend, sich die Ausgaben auf das Jahr hochzurechnen (also arbeitstägliche Dinge x 230, wöchentliche x52), ohne die Schönfärberei einer 7 % Rendite.
    Dann sind wir beim Kaffee für 690 EUR im Jahr. Jetzt kann man sich entscheiden, ob der Kaffee dort so toll ist, oder ob es nicht der Kaffeevollautomat zuhause für den selben Preis tut nach einem Jahr Filterkaffe zuhause der Luxus ausbricht.

    Jedenfalls: Weg mit den 7 %. Die sind schon alleine deswegen quatsch, weil es $ Renditen sind und keine €. Das „Fremdwährungsrisiko“ war in den vergangenen 14 Jahren seit Einführung des Euro ein Euphemismus für Wahrungsverluste, 1,6% im Jahr. Wenn schon schönrechnen, dann bitte richtig, wir sind hier doch nicht bei einer Soziologiestudie mit beliebigen Annahmen 😉

    • Mag sein, dass nicht jeder eine 7% Rendite erreicht (ich zum Beispiel), es geht aber eher um die Unterbrechung von Gewohnheiten die doch viel Geld kosten.
      Es ist die Frage ob man wirklich an Lebensqualität verliert, wenn man auf Kaffee in Papbechern verzichtet und sich dagegen einen selbst mitbringt. Dazu das in der Schlange stehen unter Zeitdruck.
      Ich sehe da keinen Verlust, für das Geld kann man sich ggf. etwas anderes schönes kaufen.

      Wo wohnst du denn das bei dir Wasser 40€ kostet?
      Ich glaube du hast da einen Rechenfehler begangen. Die Preise kannst du dir hier exemplarisch ansehen
      http://onlinerechner-24.com/wasser-rechner/
      Da kommst du niemals auf 40€ den Kubikmeter.

      • Hups, eine Null zu viel… 4 € den Kubikmeter sind’s in etwa. Hatte ich falsch in Erinnerung.
        Ich wollte auch gar nicht abstreiten, dass der Kaffeebecher unterwegs eigentlich wirtschaftlicher Selbstmord sind. Man gewinnt sogar an Lebensqualität, wenn man den beschriebenen Weg mit dem Automaten begeht.

        Das Problem sind Leute wie meine Freundin, die bei der Frage, ob man beim Starbucks Kaffee an Lebensqualität gewinnt, mit ja antwortet. Für das Geld, was sie dort bereits ausgegeben hat, hätten wir bereits deren Automaten Zuhause. =(

    • Hallo Longus,
      „Für das Geld, was sie dort bereits ausgegeben hat, hätten wir bereits deren Automaten Zuhause. =(“
      und genau darauf zielt doch die 752-Regel ab: um sich das einmal schnell (!) und anschaulich vor Augen führen zu können. Klar kann man auch einfach Jahr hochrechnen – ohne Rendite. Aber ich finde es nett, diese Ausgaben auch mal langfristig zu betrachten und dabei auch die Opportunitätskosten der entgangenen Investmentgewinne mit einzubeziehen.

      Die 7% Rendite kann man natürlich gerne kritisieren – genau das habe ich ja in meinem Beitrag auch schon erklärt. Die 752-Regel kommt eben aus den USA und wird in der dortigen Finanz-Blogger-Community schon seit einer Weile zitiert. Muss ich wegen ein bisschen numerischer Ungenauigkeit gleich das Rad neu erfinden? Ich denke nicht. Es ist ja so oder so nur eine simple Faustregel, bei der es auf 5, 6 oder 7% gar nicht so genau ankommt. Und so wird jeder Leser meines Blogs, der irgendwann mal auf einer amerikanischen Finanz-Website über die „752 Rule“ stolpert, gleich wissen was gemeint ist.

      Falls dir nun die 7 % dennoch partout nicht gefallen sollten, kannst du dir gerne dein ganz persönliche „752-Regel“ mit deiner individuellen Lieblingsrendite stricken. Bei der Berechnungsformel handelt es sich um eine geometrische Reihe:

      E = ((1 + R/52)^520 – 1) / R

      R ist dabei die Rendite in Dezimaldarstellung (also z.B. 0,07 für 7 Prozent),
      E die gesuchte Formel-Zahl (Wenn du für R 0,07 einsetzt, ergibt E gerundet 752).

      Noch ein Wort zum Leitungswasser:
      Ja, es stimmt, auch Leitungswasser kostet natürlich Geld. Angenommen, dass beim Abfüllen nichts daneben geht und der Kubikmeter ( = 1000 Liter) 2 € kostet (das wäre in etwa ein Durchschnittswert nach der von frugal diva verlinkten Statistik).
      Dann kosten 1,5 Liter Leitungswasser genau 0,3 Cent. Zur Erinnerung: Das gekaufte Wasser bringt es auf 19 Cent, also ungefähr das 63-fache. Während der Flaschenwasser-Trinker bei 4 Getränken in der Woche nach 10 Jahren auf die erwähnten 571 € kommt, waren es beim Leitungswasser-Genießer in der gleichen Zeit gerade einmal 9 Euro. Ich glaube also „Leitungswasser kostet auch Geld“ ist deshalb nicht das beste Gegenargument 😉

      • Die 752 sehe ich auch eher kritisch und bin als Rechenfauler auch dafür, dass das mir jemand mit 4%, 5% oder 6% durchrechnet, ich bin da eher bei 4-5%…

        Das mit dem Leitungswasser kann ich aber nicht so stehen lassen, da die Abwassergebühren höher sind als die Frischwassergebühren. Bei mir 1,60€ Frischwasser der m³ zu 2,7€ Schmutzwasser, also insgesamt 4,30€ und damit gehöre ich eher zu den günstigen… Und wenn ich Kohlensäure haben möchte, zahle ich auch noch für die CO²-Füllung…

  5. Hallo Olli, die Handykosten die Du ansprichst sind ein gutes Thema. Ich habe vor einem Jahr für eine Firma die Mobilfunkkosten optimiert, die hatten 74 sehr teure (unfassbar teure) Telekom Verträge zu ca. 70 Euro per Monat – unglaublich dass dieses Sparpotenzial vorher nicht gesehen wurde. Guter Artikel!

    • Hi FF,
      danke für dein Lob! 🙂
      „Rituale sind die Haltegriffe der Seele“ (aus deinem Artikel) trifft es wirklich ganz gut. Man muss die frugalistischen Gewohnheiten im Leben verankern wie der Bergsteiger seine Haken. 😉

  6. Ich habe nun mal einen Blogeintrag zum Thema Getränkekosten im Alltag auf meinem Blog veröffentlich. Dein Artikel ist in einem Link mit drin. Der erste Teil geht über Wasserflaschen, der zweite (kommt evtl. morgen) über Kafffee an der Uni und auf dem Weg dorthin.

    • Hi frugal diva,
      Mittlerweile ist dein zweiter Artikel ja auch erschienen. Die völlig unnötige Umweltbelastung durch Plastikflaschen und Kaffeebecher ist auch nochmal ein interessanter Punkt.
      Eigentlich dürften Coffee-to-go-Becher nur in ganz geringen Mengen genutzt werden… für den Notfall quasi, falls man seine Tasse oder Thermoskanne mal zuhause vergessen hat. Stattdessen werden alleine in Deutschland 320.000 von den Dingern gekauft (und natürlich anschließend weggeworfen). Nein, nicht 320.000 pro Jahr. Sondern PRO STUNDE!!! Drei Milliarden Becher macht das im Jahr, das ergibt 106.000 Tonnen Müll. Echt total verrückt.

      Quelle: http://www.br.de/nachrichten/wegwerf-becher-flut-100.html

  7. Auch wenn ein paar Annahmen in dieser Rechnung streitwürdig sind (z.B. 7% hätte hätte Fahrradkette Rendite), ist dies ein wichtiger Punkt und gute Beitrag, de ich fast voll zustimme.
    Wie sagt man so schön: Über Reichtum entscheiden nicht die großen Einnahme, sondern die kleine Ausgaben 😀
    Aber wieso stimme ich nur „fast“ zu? Weil ich das Beispiel mit der Miete nicht bedingungslos unterschrieben kann. Die Wohnung ist der zentrale Ort des (privaten Lebens) & 100 gesparte € machen auch nicht glücklicher, wenn man doch viel lieber in der anderen Wohnung sind wohlfühlen würde (unter der Annahme das man sich beide Preise bequem leisten kann)

    • Hi Kat,
      ich finde es auch wichtig, sich in der eigenen Wohnung wohl zu fühlen. Wir leben ja in einem reichen Land und niemand soll im eigenen Zuhause unglücklich sein.
      Ich bin aber der festen Überzeugung, dass das Glück nicht zwingend mit der Größe der Wohnung zusammenhängen muss. Andere Dinge halte ich da für viel entscheidender: Die Lage, die Nachbarn, Nähe zu Supermarkt, Arbeit, Kindergarten, Freunden, mit wem man zusammen wohnt,… an ein paar Quadratmeter weniger kann man sich leicht gewöhnen.

      Wenn ich mich zwischen zwei Wohnungen entscheiden müsste, die mir beide gefallen, dann würde ich immer die kleinere und günstigere nehmen. Auch wenn ich mir die größere leisten könnte.

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